LITERATUR

 

HÄUSLICHKEIT DEN SONNENSCHIRMEN

Bernhard Tockner (Texte) und Florian Geßler (Saxhophone)

         << Home >>

 

 

   

 

>> Kontakt

 

Bernhard Tockner schreibt Gedichte. Oft reichen ihm wenige Zeilen, um Erinnertes, Beobachtungen von Alltäglichem, Selbstverständlichem wie beiläufig zu formulieren. Allerdings hat die Tocknersche Beiläufigkeit Haken: Sie ist schräg angeschnitten, gedreht, in Schieflage gestellt. Heißt: Bernhard Tockner gelingt es, Alltägliches, Selbstverständliches wie beiläufig um- und neuzuschreiben. Das ist für einen Lyriker ein Kompliment. „Gehobener Misthaufen:/auf einem Abhang über der Straße,/Seitlichkeit/unter einer großen Plakattafel."
Etliche Gedichte durchsetzt Bernhard Tockner mit Irritationen, Kippbewegungen, Sprüngen – oft in Form von metaphorischen Verstrebungen („Häuslichkeit den Sonnenschirmen!", „Benimmt sich die Beleuchtung?", Benehmen ist in den Bewegungen"), die den Texten absurd-surreale, traumähnliche Volten verleihen.

Einige Gedichte sind formal dem Haiku, dem Aphorismus nahe und verzichten auf besondere klangliche und rhythmische Strukturierungen. Andere basieren auf Wiederholungsmustern, auf Assonanzen und Alliterationen etwa und auf Inversionen. Über allem aber liegt das Elliptische, die Aussparung, die Verknappung: keine Silbe, kein Strich zuviel. Darüber gerät man immer wieder in Erstaunen: Wie in dieser Knappheit das Anders- und Neu-Konstellieren von Wahrnehmung gelingt. Man könnte das als poetische Arbeit bezeichnen und weiter poetische Arbeit als gespannt und im Fluß: als Paradox Sein. „Aus dem Anschauen kämpft man sich weiter,/kämpft man sich mit,/werden ein Zubehör dann die Augen,/in Tallage liegt das Angeblickte,/wie Wegwerfmanöver die Blicke;/durchruht das Zweifeln,/leben die Arme."

Birgit Pölzl

Ein scheinbares Charakteristikum der improvisierten Musik ist wohl, dass im voraus nichts darüber gesagt werden kann.
Aber um einen für die BesucherInnen (und Akteure!) hörens- bzw. (er)lebenswerten Abend zu gestalten, ist so etwas wie eine formale Architektur, zumindest ein grober Strukturplan nötig, der sich in diesem Fall an zwei fixen Ausgangspunkten orientiert: an den Gedichten Bernhard Tockners in ihrer festgelegten Abfolge sowie am verwendeten Instrumentarium: sämtliche (gebräuchliche) Mitglieder der Saxophonfamilie, Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon kommen im Laufe des Abends zu Wort. Die kompakten Texte werden scheinbar eingebettet in einen mal dichteren mal lichteren Klangraum; der Versuch, gegenüberzustellen, zu verbinden, zu verweben, einen Fluss zu erzeugen, zu schweigen, einen gemeinsamen Atem von Text und Musik zu schaffen ist Programm. Assoziationen, Ironisierungen, kontrastierende semantische Ebenen sind gewollt, liegen aber, so denke ich, doch weitgehend „im Auge des Betrachters".

Vielleicht „Souveräne Zumutungen" eines (bzw. zweier) „Genussmittelpoeten", auf alle Fälle der Aufruf: „Ein Blumenmeer gegen den Zimmerbrand!"
Aber: auf jeden Fall keine Vertonung.

Florian Geßler

BERNHARD TOCKNER
geboren 1967 in Bad Aussee; lebt in Graz; Veröffentlichungen im ORF und in Literaturzeitschriften, u.a. Manuskripte, Lichtungen. 1. Preis: Lyrikwettbewerb der Akademie Graz; Literaturstipendien des Bundes, des Landes Steiermark und der Stadt Graz.

FLORIAN GESSLER
geboren 1972, aufgewachsen in Ravensburg; erste Kompositionen und Jazzarrangements ab 1986, lebt seit 1993 in Graz: Kompositionsstudium. Unterrichtet seit 1998 an der Kunstuniversität Graz (Musiktheoretische Fächer sowie Improvisation). Seit 1999 als Ressortleiter im Bereich „Neue Musik" für das Kulturzentrum bei den Minoriten tätig. Kompositionen für unterschiedlichste Besetzungen und Anlässe. Führt, so sagt man, ein geruhsames Leben.

M.


MO, 27. September
20.00 Uhr

Kleiner Minoritensaal

 

Eintritt: 6,50/3,50