Ansprache von Bischof Dr. Egon Kapellari

Margret Bilger studierte an der Kunstgewerbeschule in Stuttgart und in Wien. Sie wurde durch ihre Grafiken und „Holzrisse“ bekannt, arbeitete aber auch als Verkäuferin für die Wiener Werkstätten und später als Erzieherin. Als Glasmalerin wurde sie zur Gestalterin zahlreicher Kirchenfenster.  
In der NS-Zeit zog sie sich aufs Land zurück und übersiedelte von Wien in einen kleinen Ort in Oberösterreich. Alfred Kubin wurde ihr Mentor. Zwischen Kubin und Bilger entwickelte sich während des Krieges eine intensive geistige Beziehung. Bestärkt von Kubin entstanden Arbeiten aus dem Themenkreis des Märchens, der Sagenwelt und der Bibel. Die doppelbödigen "Botschaften" ihrer Arbeiten liefen der NS- Ideologie grundsätzlich zuwider. In einer extrem männlich dominierten Kunstwelt verteidigte sie damals in ihrer Kunst selbstbewusst weibliche Positionen und übte, in ihrer christlich-humanistischer Sicht, indirekt Kritik am Regime aus. Zwischen 1938 und 1945 entstand ein Werk, dessen zeitkritische Dimension im Bereich einer "verdeckten Malweise" angesiedelt ist, die analog zur "verdeckten Schreibweise" der literarischen, inneren Emigration, wie die von Günther Eisenhut im Jahr 2001 kuratierten Ausstellung ´Moderne in dunkler Zeit´ in der Neuen Galerie zeigte, zu verstehen ist.
Nach dem Krieg gilt sie als eine der bedeutendsten Grafikerinnen Österreichs und nahm an den Biennalen in Venedig und Sao Paulo und an der Weltausstellung in Tokio teil.

Kurator: Johannes Rauchenberger

Eröffnung:
Sa., 18. September 2004, 20 Uhr

 

 

Eröffnung: Landeshauptmann Waltraud Klasnic

 



 

>> Die Lebenspilgerin, Sonntagsblatt, 20.9.2004

>> Eine starke Frau mit unverwechselbarer Handschrift, Pressestelle der Diözese, 21.9.04


 

Monsignor Otto Mauer begann ihr Werk neben Kubin und Fronius mit Nachdruck zu fördern und zu sammeln, ehe er ab 1955 die junge, informelle Avantgarde in seiner Galerie „Nächst St. Stephan“ propagierte.
Die Minoriten-Ausstellung mit ca. 100 Grafiken, vor allem Holzrissen aus dem Salzburger Rupertinum, ist neben einer Würdigung der Künstlerin als Person auch ein Beitrag zu einem Kunstdiskurs, ob und wie christliche Ikonographie in der Moderne möglich ist oder war. So kann etwa die „Sammlungspolitik“ Otto Mauers als Gradmesser, der etwas über das Schicksal dieser nach-expressionistischen Formensprache aussagt, verstanden werden.
Hinzuweisen ist in der „Ausstellungsbiografie“ zu religiösen Aspekten der Moderne auf Otto Breicha, der 1983 in der im steirischen Herbst gezeigten Ausstellung „Der Biblische Weg“ die Arbeiten Bilgers neben James Ensor, Georges Rouault, Marc Chagall oder Max Beckmann gehängt hat. Im begleitenden und mittlerweile vergriffenen Katalog war der programmatische Eröffnungstext von Wieland Schmied zur Ausstellung „Zeichen des Glaubens – Geist der Avantgarde“ (anlässlich des Katholikentages 1980 in Berlin) erneut abgedruckt. Dieser schlug damals ein völlig neues Kapitel im Verhältnis von Gegenwartskunst und Religion auf, was Otto Breichas Anspruch unterstreicht.
Margret Bilgers Formensprache war natürlich schon zu ihren Lebzeiten Kunstgeschichte. Die Frage nach der Möglichkeit und/oder Unmöglichkeit des religiös Darzustellenden bleibt der Gegenwart dennoch gestellt. Die Musealität von Bilgers Bilder loten dies rund 20 Jahre nach der Ausstellung im Herbst 83 – dezent, aber bestimmt, aus.


Johannes Rauchenberger
 

 

 



 

 
 
   

 

 
 
WILLKOMMEN in den MINORITEN GALERIEN Graz!