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>> Kontakt |
Im
ersten Moment der postejakulatorischen Niederlagsdepression schwört man
sich: Nie wieder! Nie mehr Fußball. Aus!, doch schon ein paar Stunden später
ist es wieder da, das Hättmawamasamma-Vieh, grast alles ab und blökt: Hätten
wir eine andere Auslosung gehabt, hätte der Stürmer Haas, nicht der Pudding,
den einen oder anderen reingetan, hätte der Torhüter Konsel, nicht der Esel,
noch gespielt.
Wie schaut nun Literatur, die sich mit Fußball auseinandersetzt, aus? Sie bevorzugt die kleine Form, präzise Pässe über das Literaturfeld gesetzt, agiert verspielt, Dribblings, Drehungen und sie ist (selbst-)ironisch. Geschrieben wird sie (noch) von Männern. Es gibt keine Autorin, die sich literarisch mit Fußball auseinandersetzt. Eduardo Galeano, Franzobel, Nick Hornby, Jürgen Roth, Werner Krause falten die Miniatur von der Glosse über den Kommentar bis zur Erzählung aus und das in je anderer ironischer Schattierung. Ironie ist das Lebenselexier der Texte. Sie sind ja von Entbrannten geschrieben und Entbrannte wissen, dass sie ohne Selbstironie Fundamentalisten sind oder Schulmeister. Ironisch in der Konzeption ist auch Thomas Brussigs Monolog eines Fußballtrainers und Thomas Glavinics Roman Herr Susi. Thematisiert werden, aber das liegt auf der Hand (oder dem Rist), die Rolle des Fans, des Spielers, des Trainers, des Funktionärs, verglichen wird das Fußballspiel sehr oft mit einem religiösen Akt, einer Messe, die literarisch als Möglichkeit der Weltausgrenzung auf Zeit (Verdichtung, Hochgestimmheit) inszeniert wird oder als Kompensationsmöglichkeit für gesellschaftliche Defizite und Einengungen. Zum anderen nimmt die kritische Auseinandersetzung mit Fußball breiten Raum ein. Fußball ist dabei von Ideologie durchsäuert, als Profitquelle erschlossen, politisch indoktriniert oder schlicht Mittel der Weltflucht. Auf Feldern spielen beide: Fußball und Literatur. Nicht zuletzt deshalb haben wir Hannes Kartnig und Rudi Roth, die Präsidenten der beiden Grazer Fußballvereine, eingeladen, Texte aus der Weltliteratur des Fußballs zu lesen, Rudi Roth wird aus Eduardo Galeanos Der Ball ist rund lesen und Hannes Kartnig aus Nick Hornbys Fever Pitch. Ballfieber. Die Lesung der Präsidenten ist gleichsam der Ankick zu einem fulminanten Spiel Literatur und Fußball, an dem Franzobel, Thomas Brussig, Thomas Glavinic und Jürgen Roth teilnehmen werden, um aus ihren Fußball-Werken zu lesen. Zu diesem Spiel haben wir auch Kurt Palm und Werner Krause geladen. Sie werden, als Coachs, einen Fußball-Abend unter dem Titel Denn jedes Leder hat eine Seele verantworten. Schreibaufträge zum Thema Fußball wurden an zwei junge Grazer Literaten vergeben: Johannes Schrettle und Robert Riedl. Auch sie werden im Rahmen des Spiels Fußball-Literatur präsentieren. Das Spiel vernetzen wir mit anderen Spielen: Vier Schallaktionen, die von Studierenden der Kunstuniversität Graz gestaltet werden, interagieren in Vorräumen, im Stiegenhaus und unter freiem Himmel mit Formen der Literatur. Im Kreuzgang des Minoritenklosters wird Pascal Chanterie die Schnittstellen zwischen sportlicher und tänzerischer Ausdrucksweise choreographisch thematisieren. Birgit Pölzl
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ab 03. JUNI - 05. SEPTEMBER 2004 |
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3. JUNI Rudi Roth: Eduardo Galeano: Der Ball ist Hannes Kartnig: Nick Hornby Fever Pitch
6. JUNI Franzobel: Mundial Thomas Brussig: Leben bis Männer
9. JUNI Jürgen Roth: Der Ball ist eine Totalität und Rätsel Fussball Thomas Glavinic: Herr Susi
24. JUNI:
Schreibaufträge an:
28. JUNI: Robert Riedl
KURATORIN: Dr. Birgit Pölzl
Fotos:
Franzobel © Maria Ziegelboeck, 2003
Kurt Palm © Kleine Zeitung |
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