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Sport und Kult: Ein Themenheft des int. Kunstmagazins "Kunst und Kirche" (www.kunst-und-kirche.de) zur Ausstellung, gestaltet von Alois Kölbl und Johannes Rauchenberger Am Anfang dieses Heftes stand eine Beobachtung: Einige der innovativsten KünstlerInnen der jüngeren Generation beschäftigen sich mit einem für Künstler auf den ersten Blick nicht nahe liegenden Thema: dem Sport. Sei doch dieser, so haben es einmal Literaturkritiker gesagt, „ungleich einfacher, primitiver, oberflächlicher, direkter“ (G. Andersch, M. Reich-Ranicky). Mitnichten, kann man bei genauerer Beschäftigung mit dem Thema entgegenhalten. Zufälligerweise haben die jüngsten Ausgaben von „Kunstforum International“ den Titel: „Kunst und Sport“. So reiht sich „Kunst und Kirche“ in die Aktualitätsdebatte dieses Phänomens gut ein, verfolgt aber einen anderen Fokus in diesem vielschichtigen Phänomen: jenen des Zusammenhanges von Sport und Kult, anders formuliert, der Transformationen von Sehnsüchtigem, die einmal ganz selbstverständlich von der Religion eingelöst wurden, in einen ganz anderen gesellschaftlichen Bereich hinein. Oder aber in die immer schon bestehenden immanenten kultischen und religiösen Implikationen dieses Grundbereichs menschlicher Gesellschaft und menschlichen Zusammenlebens. Die medial perfekte Inszenierung des Sports, die Auratisierung seiner Helden, stimulierte Anteilnahme und präzise Rituale schaffen profane Liturgien. Sport weist nicht nur viele Merkmale des Religiösen auf, sondern ist – neben Popkultur und Mode – zum breitesten Auffangbecken religiöser Transformationen in der späten Moderne geworden. Sport war – wie auch die Kunst – einmal kultisch bestimmt. Die olympischen Sommerspiele in Athen 2004 rufen erneut die archaisch-religiösen Wurzeln des Sports ins Bewusstsein. Der Münchner Soziologe Kurt Weis schildert in seinem Beitrag nicht nur die quasi-religiöse Idee am Beginn der Wiedergeburt der Olympischen Spiele als einer profanen „Religion des Leibes“ vor mehr als hundert Jahren durch Pierre de Coubertin, sondern darüber hinaus den Wunsch nach Transzendenzerfahrung in sportlichen Extremsituationen. Der Berliner Philosoph Gunter Gebauer, einer der führenden Theoretiker zur Idee des Olympismus, lenkt seinen Blick auf den sportlichen Helden in seiner engen Verwandtschaft zum Heiligen christlicher Prägung. Den Kunsthistoriker Daniel Kletke konnten wir für einen Blick auf die prägende Kraft des Sports in der amerikanischen Gesellschaft gewinnen, während der Sozialethiker Leopold Neuhold mit dem auf „Heiligem Rasen“ zelebrierten Fußball ein von Europa und Lateinamerika dominiertes Phänomen beleuchtet. Es ist nicht zuletzt die perfekte Inszenierung der Bilder, die das Phänomen Sport zu einem quasi-sakralen macht. Der suggestiven Kraft der Sport-Bilder gehen auf sehr unterschiedliche Weise der US-amerikanische Foto- und Video- Künstler Paul Pfeiffer und der Brite Jonathan Monk nach. Wir konnten mit beiden Gespräche über ihre künstlerische Position führen. Ein Interview des bekannten Prager Kurators Jiri Sevcik mit den Künstlergruppen Kunst-Fu und Kamera skura, die auf der Biennale von Venedig mit ihrer ironischen Gestaltung des tschechischen und slowakischen Pavillons (siehe unser Cover-Bild) für Aufsehen sorgten, fügt einen weiteren Aspekt hinzu. Der Kunsthistoriker Lars Blunck schließlich spannt einen Bogen von der Körper-Inszenierung der 20-er und 30-er Jahre hin zur aktuellen Foto- und Videokunst. Künstler denken in Bildern. Die Bebilderung des vorliegenden Heftes, die diesmal einen eigenständigeren Weg als gewohnt zu gehen versucht, versteht sich als selbständiger Beitrag der Heftredakteure. Das vorliegende Heft möchte zum Schauen und Nachdenken über ein noch immer im Wachstum befindliches Phänomen unserer Zeit verführen. Alois Kölbl, Johannes Rauchenberger, Mai 2004 |
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01. JUNI - 05. SEPTEMBER 2004 |
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Kuratoren: Alois Kölbl/Johannes Rauchenberger
Ausstellungsort: MINORITEN-Galerien im ehem. Jesuitenkollegium/ Priesterseminar, Bürgergasse 2, 8010 Graz Grazia Toderi, San Siro, 2000, Video
Franck Scurti (F), Colors, Video
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