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 WEISHEIT DER RELIGIONEN

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DRAMEN DER WANDLUNG

 

Zeitgenössische Literatur und Spiritualität am Beispiel von Paolo Coelho und Patrick Roth

Vortrag von Frau Dr. Brigitte Schwens-Harrant >>

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Minoriten: Frau Dr. Schwens-Harrant, Ihr Interesse gilt seit Jahren dem Grenzbereich von Literatur und Theologie. In Ihrem Vortrag werden Sie die Erfolgsautoren Paolo Coelho und Patrick Roth vorstellen. „Dramen der Wandlung" haben Sie ihren Beitrag betitelt. Sie finden bei beiden Autoren – nennen wir es einmal – Spuren „zeitgenössischer Spiritualität"?

S-H.: Auf jeden Fall. Paolo Coelho etwa, der Bestsellerautor schlechthin, von dem bisher über 40 Millionen Bücher weltweit verkauft wurden, macht deutlich, wie sehr biblisch und religiös motivierte Literatur – wie immer man sie nun auch aus ästhetischer, literaturwissenschaftlicher Sicht beurteilen mag – gebraucht wird. Literarisch ganz anders – und ungleich anspruchsvoller – ist da Patrick Roth, der in Los Angeles lebende deutsche Schriftsteller und Filmregisseur, dessen quasi meditative Sprache die Bibel neu lesen lässt und die Leser zu einem „Sprung" einlädt.

Minoriten: Von Franz Kafka gibt es diesen, mittlerweile wohl auch etwas „abgelutschten" Satz vom Buch, welches wie eine Axt für das gefrorene Meer in uns sein muss. Könnte dieser Satz auch so etwas wie ein Metabild für die spirituelle Dimension des Lesens sein?

S.-H.: Ich denke schon. Was beim Lesen geschieht, dieses sich Hineinversenken und dann wieder Aufbrechen, aber als anderer – denn was wir gelesen haben, hat uns verändert, hat uns neue Perspektiven gelehrt, andere Welten und Menschen kennen lernen lassen, hat uns Identifikation ermöglicht und Rollentausch – all das trägt letztendlich zu Veränderungen in unserem Leben bei. Ist das nicht auch eine mögliche Form von Umkehr und Erneuerung? Diese Fragestellung ist vielleicht sogar noch spannender als die Suche nach den religiösen, spezifisch spirituellen Themen in der Literatur, weil sie sich auch auf Literatur, die nicht religiös motiviert ist, anwenden lässt. Was macht ein Text aus mir gläubigen Menschen, wenn ich lese? Diese Fragestellung macht deutlich, dass es nicht darauf ankommt, ob ich einen „spirituellen" Text lese, sondern darauf, ob ich literarische Texte, gleich welcher Art, spirituell lese.

Minoriten: Liegt nicht genau darin die von Ihnen formulierte Gefahr des „Trittbretts" für die Literatur, der sich die Religion bedient?

S.-H.: Ich bezeichne immer wieder – für manche meiner Kollegen provokant – die Literatur als Trittbrett, dessen sich die Theologie gerne bedient. Es ist mir tatsächlich besonders wichtig, immer um den Blickwinkel zu wissen, aus dem man literarische Texte betrachtet. Die Frage, die man sich stellen muss ist, ob und wie man Literatur „verwenden" kann, ohne ihr Wesen, ihre Ästhetik zu zerstören, ohne sie zu vereinnahmen und zu verzwecken.

Minoriten: Ich nehme einmal an, dass es kein Rezept gibt, welches zu einer Art „freien Lesens" anleiten könnte. Wie würden Sie sagen, könnte ein spirituelles Lesen gelingen, welches (zeitgenössischer) Literatur gerecht wird?

S.-H.: Spirituell lesen müsste heißen, es zuzulassen, dass ein Buch eine Schaufel ist, wie es einmal Martin Walser formuliert hat, die uns umgräbt, oder eben auch eine Axt für das gefrorene Meer in uns. Und genau diese Lesehaltung ist schon ein Schutz davor, Literatur als Trittbrett zu verwenden. Axt und Trittbrett – das verträgt sich nicht.

 

 

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RELIGION

 

Freitag, 5. März 19.30 Uhr

Kleiner Minoritensaal, 19.30 Uhr

Konzept Weisheit der Religionen:
Mag. Birgit Lesjak-Ladstätter

Koordination und Organisation: Mag. Elisabeth Wimmer (e-mail oder
tel. 711133-29)