|
|
|
|
|
|
|
< >> |
||||
|
|
|
|
|
|
|
|||||
|
|
|
Der Gedanke des Todes ist unannehmbar Anna und Bernhard Blume |
||||||||
|
|
|
|||||||||
| >> zum Einleitungstext in der Minoritenzeitung |
PRESSE: >> Moderne Passion bei den Minoriten, ORF Steiermark
>> Sie bilden nach Gottes Tod, Sonntagsblatt, 04.04. 04
>> Grellbuntes Schreckensszenario (M.Eisner, Kronen Zeitung, 14.4.04) |
Anna und Bernhard Blumes „Passionsbilder“ der anderen Art sind ab 1. April bei den Minoriten zu sehen. | ||||||||
|
>> weitere AUSSTELLUNGS-ANSICHTEN 1 2 3
,
,
|
Warum der anderen Art? Weil, um es mit den Worten der beiden Künstler (geb. 1937) zu sagen, „Wahrheiten robust sein müssen“. Weil auch „Das Glück ohne Pardon ist“. Weil selbst der „Gedanke des Todes unannehmbar ist“. Das sind knallharte Sager, weitere 23 findet man in der Ausstellung, gerahmt und zwischen „robusten Bildern“ hängend. Denn: „Die Wirklichkeit ist, wie sie ist, d.h. grausam.“ Man kann die Bilder abwandern, empfehlenswerter Weise sogar meditieren, falls man das mit einer religiösen Haltung – als Kontrastprogramm zu Mel Gibsons „PASSION“ durchaus empfehlenswert! – tun möchte. Zugegeben, Bildmeditation ist vielleicht nicht das erste Verlangen beim Anblick dieser Ausstellung (auch wenn sie das erste Mal in einer Kirche zu sehen war), eher ein Ekelgefühl, dem immer wieder ein Lachen entweicht. Damit sind wir beim Punkt. Denn so böse, so zynisch, so lächerlich diese Bilder der Blumes auch sind: Es geht ums Ganze. Angesichts der Abgründe, die sich bei Grausamkeit, Leid und Tod auftun, geht es ihnen darum, an die Grenze zu führen. An die Grenze der Lächerlichkeit. Die Fragen nach dem Leiden und dem Schmerz sind so irreal geworden, wie das Blut auf diesen Bildern irreal ist: eine synthetische Masse, einer zähen Kaumasse ähnlich, oder wie der realitätslose Schmerz der Bilder, der von den durch Plastikobjekte deformierten Gesichter aus der Welt der Gartenbaucenter, Heimwerkermärkte und Haushaltsabteilungen (wie Kleiderbügel, Wäscheleinen, Gummihandschuhe, Küchensiebe, Gartenschläuche...) herrührt. Die kleinen Paradiese der Bürgerlichkeit waren immer schon Ausgangspunkt der Kritik der Blumes. So sehr die beiden Künstler nicht nur Nachkriegsbürgerlichkeit auf das Schärfste in ihren Bildwerken entlarvt haben, sosehr haben sie auch die Bildwelten des Katholizismus aufs Korn genommen. Motive wie göttliche Strahlen, Hostie, Kreuz, Begriffe wie Eucharistie, Amen oder Heil spielen in ihren Arbeiten eine wesentliche Rolle. Sie greifen mit Vorliebe auf besonders aufgeladene Zeichen und Begriffe zurück, um sie warenästhetisch zu entzaubern. „Anstrengungen zur Herbeibringung des Kreuzes“ (1971) und „Strahlemann“ (1971) erscheinen allerdings heute mehr als eine heilige Erinnerung an eine verloren gegangene Aura denn als Zynismus. Auch das gibt es: Religiöse Zeichen können von zeitgenössischen Künstlern entwendet werden – um sie zu retten. Um eine schützende Hand über sie zu legen, damit sie nur verwendet werden, von denen, die sie brauchen für eine in die Tiefe gehende Aussage. Denn, wie die letzte Sentenz dieser Ausstellung lautet: „Das Nichts ist undiskutabel.“ Natürlich, ja, aber: Was dann? So gesehen könnte man erneut beginnen, die Bilder in der Tradition der Andachtsbilder, ja Kreuzwegbilder, zu lesen. Einmal, weil das Künstlerpaar genau dort, in der Entfaltung einer Bildaura, und sei sie noch so leer wie die weiße Scheibe (1971) oder so grotesk wie die Bilder der Minoritenausstellung, die bezaubernde Kraft der Religion ansetzen. Und schließlich, weil „Passionsbilder“ ein Ende thematisieren, dessen Anspruch die äußerste Grenze auslotet. Die moderne Rede des „Todes Gottes“, die der Philosoph Friedrich Nietzsche vor mehr als hundert Jahren für das 20. Jahrhundert und für die Gegenwart folgenschwer formulierte, hat eigentlich bei „der Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab“ (Jean Paul) seinen Ursprung. Durch einen (unendlichen) Faden verbunden sind der Tod Gottes als innerster Punkt des Karfreitags und der „Tod Gottes“ der Gegenwartserfahrung. Die Bilder der Blumes sind natürlich an diesem Ende angesiedelt. Aber sie setzen all jene Wirklichkeiten ins Bild, die mit diesem Ende verbunden sind. „Wahrheiten müssen robust sein.“ Ein Schulheft für weitere Notizen – sagt die Einladungskarte. „Das Nichts ist undiskutabel.“ So – oder eben so. Johannes Rauchenberger
erschienen im Sonntagsblatt für Steiermark, als Meditation für den Karfreitag 2004)
|
|||||||||
|
|
||||||||||