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                             GALERIEN Graz

 

ANNA und BERNHARD BLUME:

DER GEDANKE DES TODES IST UNANNEHMBAR

Ausstellung der Serie: "PRINZIP GRAUSAMKEIT"

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>> AUSSTELLUNGS-ANSICHTEN 1 2 3

 

Die Serie „Prinzip Grausamkeit“ von Anna und Bernhard Johannes Blume besteht aus paradoxen, unverdaulichen und irritierenden Bildern, die die Künstler mit Maximen des französischen Philosophen Clément Rosset kombiniert haben. Die Bilder basieren auf Polaroids, die die Künstler digital bearbeitet haben.Der Text des Philosophen, der im Original unter dem Titel „Das Prinzip Grausamkeit“ erschien, wurde von den Künstlern in einzelne, prägnante Sätze zusammengefasst. Die Sätze, die sie den Bildern jeweils gegenüberstellen, wirken imperativisch, wie Ausrufezeichen. Sie sind hermetisch, direkt und schonungslos, treffen wie Marterschläge das Bewusstein. Scharf und ungemütlich greifen sie in unser gewohntes Denken, reißen sie uns aus unserer Routine, denn „Wahrheiten müssen robust sein“. Die Welt ist grausam und zwischen Himmel und Erde, darunter und darüber gibt es nichts. Keine Tröstung, keine Erholung, keine Linderung, keine Arznei wird angeboten, denn „Das blutende Fleisch ist die Sache selbst“. Der Schmerz, die Wunde, die Verletzung genügen in ihrer nüchternen Reinheit. Alles, was man sonst noch darüber sagen könnte, schmälerte die Wirksamkeit dieser Anschauung.

Im Mittelpunkt der Polaroidserie steht die Verschmelzung der Gesichter von Anna und Bernhard Johannes Blume mit einem Sammelsurium von Plastikobjekten aus der Welt der Gartenbaucenter, Heimwerkermärkte und Haushaltsabteilungen der Warenhäuser. Kleiderbügel, Wäscheleinen, Gummihandschuhe, Küchensiebe, Malergitter, Gartenschläuche verdecken, verunstalten, verdrehen, verschnüren, durchbohren und durchqueren die Gesichter. Besonders abscheuliche Effekte werden mithilfe von Scherzartikeln wie künstlichen Augen und Händen inszeniert. Wabbelige Substanzen simulieren glitschige, puddingähnlich aufgehäufte Blutmassen.

Markant und beim Anschauen in ihrer Hässlichkeit und ihrem Schmerz nur schwer zu ertragende zerstörte Gesichter, bis fast zu Unkenntlichkeit verschobene Gesichtsteile, Gesichter die halb aufgelöst sind, die verdreht oder umgekehrt sind, die gedrittelt, gehälftet, geviertelt sind, Gesichtshälften die nicht zusammenpassen, die übereinander geschoben sind, all dies ergibt ein nur schwer definierbares Leidenspanorama. Die Tradition christlicher Märtyrerdarstellungen ist ein deutlich von den Künstlern aufgegriffener und eigenschöpferisch veränderter Entwicklungsstrang der abendländischen Geistes- und Kunstgeschichte. Die alte Frage, warum Leid existiert, beantworten die Künstler nicht affirmativ. Sie suchen den Konflikt mit dieser Frage, führen an die Grenzen. Sie suchen mit künstlerischen Mitteln, indem sie kein reales Leid abbilden, sondern verfremden, Vorstellungen der Selbstaufopferung zu distanzieren. Sie orientieren sich an den Künstlern und Menschen, die in ihrer Ver-rücktheit Bilder und Szenen sehen, die uns wahnhaft vorkommen und die wir als hell-seherisch oder magisch bezeichnen.

Die Blumes haben sich mit aufklärerischer Absicht immer wieder auf Kulturtraditionen des christlichen Abendlands bezogen. Motive wie göttliche Strahlen, Hostie, Kreuz, Begriffe wie Eucharistie, Amen oder Heil spielen in ihren Arbeiten eine wesentliche Rolle. Sie greifen mit Vorliebe auf besonders aufgeladene Zeichen und Begriffe zurück, um zu ent-auratisieren.
Die Künstler als poetische Bildzauberer erschaffen eine neue Dimension: sie entwenden die religiösen Zeichen, um zu Distanz und Rationalität zu verhelfen und sie legen ihre schützende Hand über die Zeichen, die nur dann verwendet werden sollten, wenn, der, der sie gebraucht, mit ihre Aussage in die Tiefe geht, um etwas Neues zur Welt zu bringen.

 

(aus dem Katalogtext von Dr. Beatrice Lavarini)

 

 

 

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>> zum Einleitungstext von J. Rauchenberger
>> open university 04
 

Ausstellungsdauer bis  15. Mai

MO – FR 9.00 – 18.00 Uhr,

SA 10-16 UHR •  (0316) 711133/25

MINORITEN Galerien Graz, Mariahilferplatz 3, 2. Stock •

Zur Ausstellung ist ein Katalogbuch erschienen mit Texten von Dr. Beatrice Lavarini und Anna & Bernhard Blume, Bazon Brock, Hans-Joachim Lenger, Friedhelm Mennekes, Günter Schulte.

Erhältlich im Kulturzentrum bei den Minoriten, 10 Euro