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Anna und Bernhard Blume Der Gedanke des Todes ist unannehmbar
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| >> zum Einleitungstext von Beatrice Lavarini |
PRESSE: >> Moderne Passion bei den Minoriten, ORF Steiermark
>> Sie bilden nach Gottes Tod, Sonntagsblatt, 04.04. 04
>> Grellbuntes Schreckensszenario (M.Eisner, Kronen Zeitung, 14.4.04) |
Zur open university-Reihe „PUZZLE LEBEN“, einer Vorlesungsreihe der Grazer Unis auf dem „Marktplatz der Öffentlichkeit“ bei den Minoriten reiht sich eine – zugegeben: harte – Ausstellung des berühmten deutschen Künstlerpaars Anna und Bernhard Blume. Man könnte auch sagen, sie ist eine etwas andere Passionsausstellung, die ästhetisch nicht verniedlicht ist – deshalb beginnt sie vor der Karwoche – ; denn die Fragen, die dort verhandelt werden, müssen von ihrer Grenze her behandelt werden. |
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>> weitere AUSSTELLUNGS-ANSICHTEN 1 2 3
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Der Gedanke des Todes ist unannehmbar": Dies ist ein typischer Blume-Titel. Ein anderer wäre beispielsweise: „Wahrheiten müssen robust sein.“[1] Oder: „Das Glück ist ohne Pardon.“² Wir haben es mit einem Künstlerpaar zu tun, das in die Reihe der radikalen Skeptiker von Traditionen, vor allem geistes- und religionsgeschichtlichen, einzureihen ist. Wir haben die Blumes bereits zwei Mal in Graz ausgestellt, in der Ausstellung „ENTGEGEN“ 1997 mit der „Tablett-Serie“ „Idee“, „Form“, „Amen“ – „Gott o Gott“ und bei „HIMMELSCHWER“ 2003 mit der Serie „Küchenkoller“, als Kartoffel buchstäblich durch die Küche rasen... (Den großformatigen Bildern „gegenüber“ hing eine Studie zu einer barocken Himmelskuppel der Gebrüder Asam.) Die Blumes sind Metaphysikkritiker. Als solche sind sie vielleicht beinahe schon museal. Aber die Schärfe ihrer Bilder und Texte, deren erste Serie erstmals vor fünf Jahren bei Erich Witschke in der Trinitatiskirche in Köln ausgestellt wurde (und während der Liturgie verhüllt werden musste) muss man sich auf dem Mund zergehen lassen. Die Bilder stellen – immer ironisch gebrochen – die Frage nach dem Sinn und beantworten ihn negativ. Aber, so lehrt uns spätestens Camus’ Sisyphos, gefragt wird weiter. Die Bilder sind knallbunt, ins Irreale und Groteske (durch digitale Bildbearbeitung) gebrochene Portraitbilder des Künstlerpaars, verschmolzen mit einem Sammelsurium von Plastikobjekten aus der Welt der Gartenbaucenter, Heimwerkermärkte und Haushaltsabteilungen (wie Kleiderbügel, Wäscheleinen, Gummihandschuhe, Küchensiebe, Gartenschläuche...) und kombiniert mit radikal antitheologischen bzw. antimetaphysischen Aussagen des französischen Philosophen Clément Rosset, die die Blumes noch einmal sprachlich „gestrafft“ haben (siehe die folgenden Seiten). Diese Kombination ist ironisch, wie auch die Bilder selbst „ironisch“ sind. Die Bilder stehen in der Tradition von Gesichtsbildern. Sie destruieren und demontieren „sowohl den Mythos des Portraits, wie die darin tradierte Ideologie identischer Personalität“ (A+B. Blume). Bleibt die Frage, warum diese Destruktion: Gewalt als Selbstzerstörung ist hier natürlich vollkommen anders gelagert als bei den (beinahe gleichaltrigen) österreichischen Aktionisten oder etwa in den formal ähnlich aufgebauten Bildern von Francis Bacon: sie ist bei den Blumes ästhetisch persifliert: „abgehackte“ Extremitäten, aus Kunststoff simulierte und ins Künstliche überzogene Körpersäfte, die besonders gewaltsamen Deformationen als digitale Collage. Der Existenzialismus von Bacon und der Pathos der Wiener Aktionisten lässt sich nicht mit dem Bildbegriff der Blumes in Deckung bringen, denn „zumindest bemühen wir uns um ironische Distanz, um uns gerade auch über derartige Fotos die Grausamkeit des Realen vom Leibe zu halten“ (Bernhard Blume). Die bildnerischen „Grausamkeiten“ konterkarieren die Blumes mit den Sentenzen des Philosophen Rosset, wo es Sätze gibt wie „Die Härte der Tatsachen hindert sie nicht, zu sein“ oder: „Manche Tatsachen werden erst wahr, wenn sie begriffen werden“. Und am Schluss heißt es eben: „Der Gedanke des Todes ist unannehmbar“ und schließlich: „Das Nichts ist indiskutabel“. Die Frage nach dem Sinn, nach dem Sinn des Lebens, nach dem Sinn des Leidens stellen die Blumes in einer Weise, die in der heute vielfach erlebten Nichtfragestellung als penetrant wohltuend bezeichnend werden muss: Deshalb sind die Bilder für ein „Puzzle Leben“ buchstäblich notwendig. Die Blumes betonen ihre eigene metaphysische Illusionslosigkeit. Im Nachdenken über diese Bilder sind vom Philosophen Günter Schulte vierfache „Gnadenvarianten“ ins Gespräch gebracht worden: juristische, magische, ästhetische und religiöse. Die Blumes entscheiden sich, „sollte aber eine Gnadenwahl möglich sein“ für die „Gnade des Ästhetischen“: „Jedenfalls neigen wir dazu, das Bewusstsein unseres künftigen Todes durch Ästhetik auszuhalten.“ In der Hochhaltung des Ästhetischen sind die Blumes übrigens sogar der Kirche freundlich gesonnen, auf deren „fortgesetzter Mitgliedschaft in diesem Verein“ sie noch immer bestehen, auch wenn ihnen „oft eher ästhetisch als religiös zumute ist“ Angefangen von der kleinen Fotosequenz „Strahlemann“ (1971) über die „Anstrengungen zur Herbeibringung des Kreuzes“ (1971) bis hin zu späteren Großfotosequenzen wie „Mahlzeit“ (1986) und „Metaphysik ist Männersache“ (1989) sind ihre Werke von ikonografischen Resten inspiriert, aus denen die Blumes ihre unvergleichliche Kunst der „Ent-auratisierung“ – warenästhetisch gebrochen – gemacht haben. Was das Ästhetische sei, darüber kann man bekanntlich streiten. Nicht aber darüber, wie mächtig Bilder sein können, auch für so etwas, was man angesichts der Blumes profane Sakralität bezeichnen könnte: Durch alle Aufklärungswellen, durch bildgeschichtliche Säkularisationen, Abstraktionen und Metamorphosen hindurch haben die Blumes ein wichtiges Credo. „Nach wie vor glauben wir aber auch an einen gewissen Bildzauber. So bliebe uns immer noch die Gnade der Magie.“[3] Johannes Rauchenberger
[1] So lautete die Ausstellung in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst, München (Nov. 2003-Feb- 2004; Kuratorin: Dr. Beatrice Lavarini), von der wir auch den Katalog mit Texten von Anna und Bernhard Blume, Beatrice Lavarini, Friedhelm Mennekes, Bazon Brock, Günter Schulte übernehmen. Preis: 10 EURO, erhältlich im Kulturzentrum bei den Minoriten. [2] Ausstellungstitel in Göppingen. [3] Die Zitate sind dem o.g. Katalogbuch (S. 8/9; 16-21) entnommen.
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