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VERSTÖRUNGEN

MINORITEN GALERIEN GRAZ

 

 

 

 

Solodebüt

DANIEL ZAMAN:

ASYMPTOTISCHE EINÜBUNGEN

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MINORITEN- Galerien Graz,  15. Jänner –  20. Februar 2004  

Wie lange braucht man, um eine 10 cm lange Linie zu zeichnen? 9 Minuten und 35 Sekunden. 9 Minuten 53. 9 Minuten 13. Besser gesagt: Wie lange braucht man, wenn man zehn Minuten brauchen soll, um eine 10 cm lange Linie zu zeichnen?

Da braucht man bereits sehr viel Vorstellung davon, was und wie viel 10 Minuten sind.

 

 
     

Daniel Zaman

Geboren 1976 in Salzburg. 1996–97 Studium des Lehramtes für Bildnerische Erziehung am Mozarteum und der Deutschen Philologie an der Universität Salzburg. 1997–2002 Studium der Malerei und Grafik an der Universität für angewandte Kunst, Wien. Intensive Beschäftigung mit (Sprach-) Philosophie und Semiotik. 1998 Ausstellungsbeteiligung in Wolkersdorf „Photo FLUSS", 2003 Teilnahme und Mitorganisation der Ausstellung „Standpunkt", Wien.

 

Der Wiener Künstler Daniel Zaman zeigt in seinen Videos, Grafiken und Performances „ontologische Imperative". Dabei sind seine für die BetrachterInnen nachzuvollziehenden Handlungen nichts anderes als sie selbst, im „inhaltlichen" wie künstlerischen Sinn, sie sind einfach „asymptotische Einübungen". Sie sind „unfertig", und lassen jegliche strenge Finalität vermissen. Sie haben zu einem beliebigen Zeitpunkt stattgefunden mit keinem Ziel einer Fertigstellung und folglich sind sie es auch nie. Sie wollen nichts Endgültiges aussagen, sondern sind spontan gesetzt oder lose, ein experimentelles Herantasten und Befragen, skeptische Versuche, intuitive Sicherheiten, invokative Forderungen. Sie sind in ihrem „Werden" entlassen; nicht als Statement, sondern als tatsächliche Aussage zur Wirklichkeit und als adäquate Möglichkeit und Begegnung, das spürbar zu machen, was empirisch nicht zu fassen ist, weil es nichts Empirisches ist, sich also zeigt. Passivität in der Form als „interesseloses Betrachten" (Kontemplation) führt hier ausschließlich zum Erfolg. Und Erfolg ist genau jenes Kriterium, das Daniel Zaman durchbricht, denn der Ansatz seines künstlerischen Tuns ist die Eindimensionalität unseres aus Zwang aus Effizienz, Ökonomie, Schnelllebigkeit unterworfenen Weltbildes.

Johannes Rauchenberger