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LUDISCHE LITERATUR:
OSKAR PASTIOR

 

Oskar Pastior betreibt das Raumschiff Enterprise im ludischen Universum, mit dem er gegen Linearitätsachen streicht und dem Konstrukt Zeit ein wenig gegen den Strich fährt.

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Oskar Pastior ist bis heute das einzige deutschsprachige Mitglied der Autorengruppe OULIPO, der Werkstatt für potentielle Literatur. Sein umfangreiches literarisches Werk steht ganz im Zeichen der „Contrainte", d.h. der produktiven Einschränkung, die das Herzstück der oulipotischen Poetik bildet. Die zahlreichen Auszeichnungen, die Pastior erhalten hat, zeigen, dass es ihm auf beeindruckende Weise gelungen ist, sich mit einer literarischen Produktion durchzusetzen, die von vornherein nicht auf das große Publikum zielt; denn bei Pastior ist nicht die Botschaft, sondern die Sprache die Hauptperson, und mit dieser experimentiert er weit über die Grenzen des Deutschen hinaus – „pastior" hat er selbst einmal das artifizielle Misch-Idiom genannt, das viele seiner Texte charakterisiert. Diese Kunstsprache ist in ihrem Effekt eine interessante Mischung von Leichtigkeit und Witz auf der einen Seite, Ernst und Strenge des quasi in naturwissenschaftlicher Systematik angelegten Sprachexperiments auf der anderen.
Den einzelnen Formen – sei es dem Anagramm, dem Palindrom, der Sestine oder dem Sonett, – widmet sich Pastior immer mit besonderer Intensität, in Praxis und Theorie, könnte man sagen, denn die Nachwörter seiner Bücher bilden eine wichtigen Paratext zu den eigentlich lyrisch-experimentellen Dichtungen.
Das Kriteriums des „Gelingens" seiner Arbeiten ist für Pastior das Ohr. Das Hören der Texte ist denn auch die eigentlich intendierte Rezeptionsform; dementsprechend wurden einige seiner Bücher vom Urs Engeler-Verlag mit einer CD ausgestattet. Wer Oskar Pastior schon bei einer Lesung erlebt hat, weiß, dass die „live-performance" das eigenwillige Sprachfest Pastiors am allerbesten vermittelt.
(
Astrid Bernhard-Poier)

Oskar Pastior
geboren 1927 in Hermannstadt (Siebenbürgen); 1945-1949 Deportation in sowjetische Arbeitslager in der Ukraine und im Donbas. Nach der Rückkehr Gelegenheitsarbeiten als Kistennagler und Bautechniker, 1955-1960 Studium der Germanistik in Bukarest, anschließend Redakteur beim Rumänischen Rundfunk. Lebt seit 1969 als freier Schriftsteller in Berlin. 1993 Ernst-Meister-Preis, 1999 Preis für Europäische Literatur (gemeinsam mit Gellu Naum), 2000 Walter-Hasenclever-Preis, 2001 Peter-Huchel-Preis. Ehrendoktorat der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt Oskar Pastior ist Mitglied von „Oulipo", der Werkstatt für potentielle Literatur; 2002 wurde Oskar Pastior in Wien der Erich Fried-Preis verliehen.

Auswahlbibliografie: Kopfnuß Januskopf. Gedichte in Palindromen, Hanser 1990; Vokalisen & Gimpelstifte, Hanser 1992; Eine kleine Kunstmaschine. 34 Sestinen, Hanser 1994; Das Unding an sich. Frankfurter Vorlesungen, Suhrkamp 1994; Das Hören des Genitivs. Gedichte, Hanser, München 1997; Gimpelschneise in die Winterreise - Texte von Wilhelm Müller, Urs Engeler 1997; Villanella und Pantum. Gedichte, Hanser 2000; ügel beg und ügel tal. Gedichte 1967-1997 Album, CD-Audio 73 Minuten, Urs Engeler 2002; o du roher iasmin. Gedichte zu Charles Baudelaire, Buch mit CD, Urs Engeler 2002. Zahlreiche Übersetzungen.



© Doris Poklekowski

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Ressortleitung: Dr. Birgit Pölzl

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