#1
Das fiktionale Vexierspiel Prinzip i beginnt mit
der Geburt des Helden Willi. Linz, Grin-zing,
Illmitz und Rimini
markieren die Stationen
eines Lebens in einer monovokalischen
Parallelwelt.
»Nichts ist wirklich«, spricht
Willi fiktiv.
Das monovokalische Prinzip i,
demzufolge nur der Vokal
i
verwendet werden
darf, verbietet u.a. den Gebrauch der Artikel,
des Infinitivs und der Relativsätze. Die
Verbote betreffen in der Folge nicht nur die
Grammatik: ...schlimm wird
schicklich, nichtig
wird wichtig, himmlisch wird irdisch, Sissi
wird schwindlig...
Hier wird die Anwendung
des Verfahrens zu seiner Inszenierung.
Zivilist mit Schild hinkt ins Bild: SINNBILD.
Personen: Willi, Sissi, Ingrid, Birgit, Wirtin
Mizzi, Strizzi Fritz, hinkende Vergleiche und andere
Anthropomorphismen.
#2
Das ikonographische Szenario des Film Noir
liefert die Vorlage für den Genre-Comic
Schmutzige Tricks.
Im Off-Kommentar
findet das Licht- und Schattenspiel des Film Noir als
zwielichtige Kunstsprache, changierend
zwischen Klartext und Chiffretext,
seine lautliche Entsprechung:
Etfusch ffiff
tulk tu Luft umt tlufmik um Kimtelkuff.
#3
In AU! oder Die methodische Schraube
fungiert das Gasthaus als Mikrokosmos
und universeller
Schauplatz einer simpelvertrackten Dreiecksgeschichte, deren
Protagonisten agieren, als wären
sie
Cartoonfiguren, die wie Menschen agieren
(...Da traf Karls Prachtmuskulatur auf Pauls Statur -
kurz: Schraffurkunst auf Natur! Paul
warf das Handtuch, Karl nahm Kurs auf
Ruth, und alsbald, Blatt um Blatt, Spalt um
Spalt, schwand Karls Abstand zu Ruth...)*,
rasanter Schachpartien (angeregt durch
Alan Turings
Rund-ums-Haus-Schach) und
selbstreferentieller Dispute (Stammgast
oder Zaungast? Platztausch oder P/atzraub?
Anagramm oder Paragramm?) mit
beschränktem
Lautrepertoire (...da war das
A und das U und darum summa summarum
auch das AU...), sowie zahlreicher Nebenplots,
Spin Offs und Parallelgeschichten. Fußnoten
unterlaufen das Regelwerk nicht nur auf der Lautebene.
Sie machen sich selbständig,
legen falsche Fährten und konterkarieren
das Geschehen.
#4
In
Sauerei
- ein palindromischer Comic-Strip,
der in beiden Richtungen als Endlostext
gelesen werden kann - wird das Prinzip der
Iteration auf Bild und Text angewandt. Bei
diesem Comic-Strip handelt es sich um
eine Serie identischer Bilder mit gleichem
Wortlaut. Durch minimale Verschiebungen in
der Erzähl Perspektive - indem z.B. der Titel durch eine
Sprechblase ersetzt wird, die Sprechblase durch einen Kommentar usf. -ergibt
sich für jedes Bild eine jeweils andere
Lektüre. In dem Minidrama Otto
und seine
Freunde machen ein Palindrom
wird
das Verfahren in einer palindromischen
Paraphrase auf Schopenhauers Palindrom
»Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen
nie«
persifliert. In dem palindromischen
Bildtext Das
A und O wird die Betonung des
selbstreferentiellen Aspekts noch
verstärkt.
»Ich bin der Anfang und das
Ende«
(Offenb. Joh. 1,8) lautet das dem
Bildtext vorangestellte Motto, in dem die
selbstreferentielle Struktur des Palindroms
offenkundig wird.
*Im
Spalt zwischen den Panels, so Scott McCloud in
Understanding Cotnics (1993), sei eine Alchimie am
Werk, die uns noch in den abwegigsten Übergängen eine Absicht erkennen
lässt.
Brigitta Falkner
Geb. 17. 6. 1959 in Wien. Lebt in Wien.
Veröffentlichungen in Anthologien, Literaturzeitschriften und im ORF,
1992 erscheint
»Anagramme Bildtexte Comics«, Das fröhliche Wohnzimmer-Edition, Wien;
1996 »TOB-REVIERSCHREIVERBOT
- Palin-drome«, Ritter-Verlag, Wien - Klagenfurt (Neuauflage 1998)
und 2001 »Fabula rasa oder Die methodische Schraube«, Ritter-Verlag,
Wien - Klagenfurt.
Vier Ausstellungen zeigten bislang die multimedialen Arbeiten Brigitta
Falkners: 1998
Einzelausstellung: »Bildtexte, Comics, Storyboards« Literaturhaus, Wien;
2000 Sammelausstellung: »Lachende Frauen« Caricatura, Kassel,
Historisches Museum, Frankfurt am Main, Galerie Apex, Göttingen; 2000
Sammelausstellung: »Dynamische Zeichen - Poesie zwischen den Medien«,
Gasteig, München; 2002 Sammelausstellung: »Das Kunstvolle im
Alltäglichen«, Museum M.ART.A, Herford.