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                          LITERATUR Graz

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LUDISCHE LITERATUR:
MULTIMEDIALE LESUNG MIT BRIGITTA FALKNER

  Brigitta Falkner wird durch ihr poetisches Universum streichen und zeigen, auf welchem literarischen Niveau und wie witzig frau mit Regeln: contraintes arbeiten kann.
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#1

Das fiktionale Vexierspiel Prinzip i beginnt mit der Geburt des Helden Willi. Linz, Grin-zing, Illmitz und Rimini markieren die Statio­nen eines Lebens in einer monovokalischen Parallelwelt. »Nichts ist wirklich«, spricht Willi fiktiv. Das monovokalische Prinzip i, demzufolge nur der Vokal i verwendet werden darf, verbietet u.a. den Gebrauch der Artikel, des Infinitivs und der Relativsätze. Die Verbote betreffen in der Folge nicht nur die Grammatik: ...schlimm wird schicklich, nichtig wird wichtig, himmlisch wird irdisch, Sissi wird schwindlig... Hier wird die Anwendung des Verfahrens zu seiner Inszenierung. Zivilist mit Schild hinkt ins Bild: SINNBILD. Personen: Willi, Sissi, Ingrid, Birgit, Wirtin Mizzi, Strizzi Fritz, hinkende Vergleiche und andere Anthropomorphismen.

 

#2

Das ikonographische Szenario des Film Noir liefert die Vorlage für den Genre-Comic Schmutzige Tricks. Im Off-Kommentar findet das Licht- und Schattenspiel des Film Noir als zwielichtige Kunstsprache, chan­gierend zwischen Klartext und Chiffretext, seine lautliche Entsprechung: Etfusch ffiff tulk tu Luft umt tlufmik um Kimtelkuff.

#3
In
AU! oder Die methodische Schraube
fungiert das Gasthaus als Mikrokosmos und universeller Schauplatz einer simpel­vertrackten Dreiecksgeschichte, deren Protagonisten agieren, als wären sie Cartoonfiguren, die wie Menschen agieren (...Da traf Karls Prachtmuskulatur auf Pauls Statur - kurz: Schraffurkunst auf Natur! Paul warf das Handtuch, Karl nahm Kurs auf Ruth, und alsbald, Blatt um Blatt, Spalt um Spalt, schwand Karls Abstand zu Ruth...)*, rasanter Schachpartien (angeregt durch Alan Turings Rund-ums-Haus-Schach) und selbstreferentieller Dispute (Stammgast oder Zaungast? Platztausch oder P/atz­raub? Anagramm oder Paragramm?) mit beschränktem Lautrepertoire (...da war das A und das U und darum summa summarum auch das AU...), sowie zahlreicher Nebenplots, Spin Offs und Parallelgeschichten. Fußnoten unterlaufen das Regelwerk nicht nur auf der Lautebene. Sie machen sich selbständig, legen falsche Fährten und konterkarieren das Geschehen.

#4
In Sauerei - ein palindromischer Comic-Strip, der in beiden Richtungen als Endlostext gelesen werden kann - wird das Prinzip der Iteration auf Bild und Text angewandt. Bei diesem Comic-Strip handelt es sich um eine Serie identischer Bilder mit gleichem Wortlaut. Durch minimale Verschiebungen in der Erzähl Perspektive - indem z.B. der Titel durch eine Sprechblase ersetzt wird, die Sprechblase durch einen Kommentar usf. -ergibt sich für jedes Bild eine jeweils andere Lektüre. In dem Minidrama Otto und seine Freunde machen ein Palindrom wird das Verfahren in einer palindromischen Paraphrase auf Schopenhauers Palindrom »Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie« persifliert. In dem palindromischen Bildtext Das A und O wird die Betonung des selbstreferentiellen Aspekts noch verstärkt. »Ich bin der Anfang und das Ende« (Offenb. Joh. 1,8) lautet das dem Bildtext vorangestellte Motto, in dem die selbstreferentielle Struktur des Palindroms offenkundig wird.

*Im Spalt zwischen den Panels, so Scott McCloud in Understanding Cotnics (1993), sei eine Alchimie am Werk, die uns noch in den abwegigsten Übergängen eine Absicht erkennen lässt.

Brigitta Falkner
Geb. 17. 6. 1959 in Wien. Lebt in Wien.
Veröffentlichungen in Anthologien, Literaturzeitschriften und im ORF, 1992 erscheint »Anagramme Bildtexte Comics«, Das fröhliche Wohnzimmer-Edition, Wien; 1996 »TOB-REVIERSCHREIVERBOT - Palin-drome«, Ritter-Verlag, Wien - Klagenfurt (Neuauflage 1998) und 2001 »Fabula rasa oder Die methodische Schraube«, Ritter-Verlag, Wien - Klagenfurt. Vier Ausstellungen zeigten bislang die multimedialen Arbeiten Brigitta Falkners: 1998 Einzelausstellung: »Bildtexte, Comics, Storyboards« Literaturhaus, Wien; 2000 Sammelaus­stellung: »Lachende Frauen« Caricatura, Kassel, Historisches Museum, Frankfurt am Main, Galerie Apex, Göttingen; 2000 Sammelausstellung: »Dynamische Zeichen - Poesie zwischen den Medien«, Gasteig, München; 2002 Sammelausstellung: »Das Kunstvolle im Alltäglichen«, Museum M.ART.A, Herford.

 


© Brigitta Falkner

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Ressortleitung: Dr. Birgit Pölzl

711133-26, 0699/10073616