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 Das Puzzle Mensch - OPEN UNIVERSITY IM KULTURZENTRUM BEI DEN MINORITEN
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Öffentliches Seminar und Ausstellung

In diesem öffentlichen Seminar sollten in Form einer interdisziplinären Annäherung Fragen nach dem Mensch-Sein vor dem Hintergrund der Bio-Ethik Debatte und des 11.September 01 erörtert werden.

In der aktuellen bio-ethischen Diskussion prallen gegensätzliche Standpunkte hart aufeinander. Es wird dabei deutlich, daß die Einstellungen und Haltungen in diesen Fragen stark beeinflußt sind von den tieferliegenden, weltanschaulichen Vorstellungen über das Wesen des Menschen. Im Rahmen eines Seminars versuchen VertreterInnen verschiedener Fachrichtungen der Karl-Franzens-Universität Graz, die verschiedenen Menschenbilder der Wissenschaften darzustellen. Dabei soll auch der Frage nach der Gewaltbereitschaft des Menschen nachgegangen werden, wie sie bei der Terror-Katastrophe in den USA zum Ausdruck kam.

Ergänzt wurde  das Seminar durch die Foto-Ausstellung "La Folie à Deux" des deutschen Künstlerpaares Friederike van Lawick und Hans Müller. Ihre gemeinsam geschaffenen sogenannten "Metaporträts" verstehen die beiden Künstler als visualisierte Modelle der Vereinigung von Konzepten, Ideen und Visionen in kreativer Partnerschaft. Jedes ihrer Porträts zeigt eine Metamorphose zwischen zwei Partnern innerhalb von 16 Einzelbildern. Für den Betrachter sind die Metaporträts vielfältig deutbar. Sie werfen z.B. Fragen auf nach der Identität einer Person, nach dem Individuum, nach seiner Verformbarkeit und seinen sozialen Beziehungen.

Mit diesem Angebot über den Kreis der Studierenden hinaus nimmt die Karl-Franzens-Universität ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung im Sinne einer "open university" wahr, denn die Universitäten sind gesetzlich verpflichtet, "Bildung durch Wissenschaft" zu vermitteln.


Programm:
Mi., 12. März, 19 h
Vernisage der Ausstellung "La Folie à Deux - PerfectlySUPERnatural" von Friederike van Lawick / Hans Müller, Moderation Michael Fleischhacker (Die Presse)
anschließend Eröffnungsvortrag:
1. Prof. Dr. Otto König (Dogmatik)
Der Mensch - Gottes Ebenbild und/oder Natur ?
Der Konflikt der Interpretationen, was der Mensch wirklich ist, ob "Ebenbild Gottes" oder "natura corrupta", durchzieht die ganze Geschichte der christlichen Theologie.
Absicht des Vortrags ist es anhand des casus "Erbsünde" Möglichkeiten zu diskutieren, wie christliche Menschenbilder auf die Umbrüche der Gegenwart reagieren können.

Mi., 19. März, 19 h
2. Prof. Dr. Reinhold Esterbauer (Philosophie)
Zum philosophischen Blick auf den Menschen
Der Mensch als selbstbestimmtes Wesen: Angesichts reduktionistischer Tendenzen naturwissenschaftlicher und technischer Menschenbilder ist heute Philosophie gefordert, den Blick offen zu halten, damit sich der Mensch in seiner Selbstbestimmung nicht hoffnungslos unterbestimmt.

Mi., 26. März, 19 h
3. Prof. Dr. Günter Schulter (Psychologie)
Wie determiniert ist das (soziale) Gewissen ?
Biologische Grundlagen antisozialen Verhaltens
Die Entwicklung einer antisozialen Persönlichkeit ist auch genetisch mitbestimmt. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass durch Erziehung und psychologische Intervention keinerlei positive Veränderungen möglich wären.

Mi., 2. April, 19 h
4. Prof. Dr. Thomas Kenner (Physiologie)
Das Leib-Seele Problem aus gehirnphysiologischer Sicht -
Anfang und Ende des Menschen
Der Begriff "Leib" ist anschaulich und begreifbar. Den Begriff "Psyche" (griechisch für "Seele") kann man in strukturierte Funktionskomplexe zusammenfassen (Bewusstes und Unbewusstes; ferner Ich, Es und Über-ich, Selbst und Schatten, etc., je nach Schule). Der Tod ist ein normales Ereignis, das ebenso zum Leben gehört, wie dessen Beginn.

Mi., 9. April, 19 h
5. Prof. Dr. Gottfried Dohr (Histologie und Embryologie)
Der Anfang des Menschen - Menschliches Leben entsteht schrittweise
(Stammzellforschung aus medizinischer Sicht)
Ist die geschlechtliche Vermehrung der einzige Weg menschliches Leben zu zeugen, oder sind Klonierung und embryonale Stammzellen eine sinnvolle Alternative?

Mi., 30. April, 19 h
6./7. Prof. Dr. Erwin Bernat (Zivilrecht und Privatrecht)
Hat der Embryo ein Lebensrecht ?
Der Embryo in vitro ist ein Zellhaufen ohne Lebensrecht. Die Potenz, ein Lebewesen zu werden, bedeutet nicht das Recht, wie eines behandelt zu werden.
Prof. Dr. Walter Schaupp (Moraltheologie)
Hat der Embryo ein Lebensrecht ?
In menschlichen Rechten wird ein besonderer moralischer Status menschlichen Lebens anerkannt, der mit dem Begriff "Würde" umschrieben wird. An diesem partizipiert der frühe Embryo als Teil eines sich kontinuierlich entfaltenden biologischen Lebensganzen. Wird das Lebensrecht am Beginn herabgestuft, läßt sich eine Vielzahl anderer
Einziehungen nicht mehr konsistent zurückweisen. 3

Mi., 7. Mai, 19 h
8. Prof. Dr. Jörg Schaur (Biochemie)
Der Mensch gehört der Erde - Der Mensch als natürliches Wesen
Befunde der Molekulargenetik, aber auch der Primaten-Evolution sowie der Verhaltens- und Hirnforschung sprechen dafür: Der Mensch ist die "jüngere Schwester" der Menschenaffen und die Verwandtschaft ist enger als wir bis vor kurzem wußten.

Mi., 14. Mai, 19 h
9. Prof. Dr. Karl Crailsheim (Biologie)
Die letzten Schritte der Evolution -
Der Mensch als Primat (Verhaltensforschung - Sozialverhalten)
War es zu Zeiten Darwins eine Provokation, dem Menschen einen äffischen Ahnen zuzuordnen, so provozieren heute die Fragen der genetischen Determiniertheit unseres Verhaltens. In diesem Vortrag wird die evolutionsbiologische Interpretation der Entstehung des Menschen vorgestellt. 2

Mi., 21. Mai, 19 h
10. Prof. Dr. Max Haller (Soziologie)
Der Mensch als soziales Wesen: Sozialethische Normen
Die bewusste Gestaltbarkeit macht menschliche Beziehungen komplizierter als bei höheren Tieren. Dabei ist der Einzelne aber nicht auf sich allein gestellt. Zum einen gibt es universelle Werte und Normen, die als Richtschnur dienen können, zum anderen legen gesellschaftliche Institutionen zumindest grobe Rahmenbedingungen für richtiges und falsches Handeln fest und können den Einzelnen bei ihren Entscheidungen helfen.

Mi., 28. Mai, 19 h
11. Prof. Dr. Roswith Roth (Psychologie)
Der Mensch als geschlechtliches Wesen - Sex und Gender
"Sex" bezeichnet das biologische und "Gender" das soziale, kulturell bedingte Geschlecht. Aufgrund der biologischen Geschlechtszugehörigkeit werden vor allem die sozialen Chancen in einer Kultur ungleich verteilt und zwar nicht in Übereinstimmung
mit den tatsächlichen Fähigkeiten der Individuen. In einer kritischen Betrachtung werden die Fehlannahmen und Fehlinterpretation von empirischen Ergebnissen diskutiert.

Mi., 4. Juni, 19 h
12. Prof. Dr. Elisabeth List (Philosophie)
Existenzielle Leibhaftigkeit: Lust und Liebe, Schmerz und Tod
Im Denken der Biowissenschaften erscheint der Körper als Objekt, das man von außen distanzierend beobachten, erforschen und kontrollieren kann, als ein Besitz, ein Bestandteil des Wesens "Mensch". "Existenzielle Leibhaftigkeit" ist die Art, wie wir uns als Körperwesen vor solcher Distanzierung erleben und erfahren. Es geht in meinem Beitrag darum zu zeigen, daß alle menschlichen Grund- und Grenzerfahrungen, Liebe und Lust, Schmerz und Tod schicksalhaft durch dieses essentielle Moment der Leibhaftigkeit bestimmt sind.

Mi., 11. Juni, 19 h
13. Prof. Dr. Richard Sturn (Finanzwissenschaften und Öffentliche Wirtschaft)
Gierige Egoisten oder bloß Rechenmeister:
Zur Ambivalenz des ökonomischen Menschenbilds
Aus der Beschreibung der drei Hauptmotive für die Konstruktion der Marktökonomie als eine Art moralisch freie Zone wird die generelle Forderung abgeleitet, dass erhöhte Anstrengungen vonnöten sind, in ökonomischen Argumentationen das jeweils zugrunde gelegte Menschenbild präziser herauszuarbeiten. Denn ansonsten sind die praktischen Empfehlungen der Ökonomen in Gefahr, zur pseudowissenschaftlichen Ideologie zu verkommen.

Mi., 18. Juni, 19 h
14. Prof. Dr. Kurt Bartsch (Germanistik)
"Unter Mördern und Irren" ?
Zu einem Menschenbild in der zeitgenössischen österreichischen Literatur
Entlassen in die "transzendentale Obdachlosigkeit" (Georg Lukács), schwanken die Versuche der Literatur des 20. und des beginnenden 21.Jahrhunderts, ein neues Sinnzentrum zu finden, zwischen kollektiven völkischen wie kommunistischen Heilsversprechen und dem totalen Rückzug auf das Ich (so noch im Existentialismus).

Mi., 25. Juni, 19 h
15. Prof. Dr. Peter Strasser (Philosophie)
Die "ursprüngliche" Würde des Menschen und sein Recht auf Kreatürlichkeit
Es gibt nur zwei Arten der Schöpfung, die meine Autonomie nicht verletzen: Die Schöpfung von höchster Stelle und die Selbstschöpfung. Letztere besteht nach Goethe darin, dass ich immer strebend mich bemühe. Jede darüber hinausgehende Schöpfung macht mich zur Kreatur anderer Geschöpfe.

Mi., 2. Juli, 19 h
16. Abschlußdebatte mit allen Vortragenden:
Wer ist der Mensch ? Moderation: Michael Fleischhacker ("Die Presse")
Ausstellungsdauer: bis Freitag, 5. April 03
Montag bis Freitag, 9.00 - 17.00 Uhr
 

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