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  Mit Mark Wallinger, der auf der Biennale in Venedig 2001 die Kunstwelt im britischen Pavillon mit seiner Mischung aus politischer und christlicher Ikonografie in Staunen versetzte, beginnen wir unser Projekt: “Himmelschwer. Transformationen der Schwerkraft” für “Graz 2003”  (11. April - 15. Juni 2003)

steirisc[:her:]bst  26.10.02 - 24.11.02

Minoriten-Galerien im Priesterseminar
Bürgergasse 2, 8010 Graz


Kuratoren: Johannes Rauchenberger/

Alois Kölbl

 

 

>> "Im Anfang war das Wort..." Mark Wallinger im Gespräch mit Johannes Rauchenberger und Alois Kölbl

 

> "Flaschengeist und Himmelreich"

(Sonntagsblatt)

 

 

Mark Wallinger, Vertreter Großbritanniens auf der letzten Biennale in Venedig und einer der wichtigsten und innovativsten Künstler der jüngeren Generation des Inselreichs, wurde der internationalen Öffentlichkeit durch seinen spektakulären Eingriff 1999 am Trafalgar Square in London bekannt. Er platzierte eine lebensgroße, weiße Christusstatue aus Kunstharz und Marmorstaub mit dem Titel "Ecce Homo" auf einem leerstehenden Sockel vor der National Gallery. Die Intervention war anregender Beitrag zum Millenniumswechsel wie subtiles Gegenstück zu den anderen heroischen Statuen der ehemaligen Weltmacht auf dem Heldenforum des britischen Nationalstolzes 2000 Jahre nach Christi Geburt. 
Wallinger setzt in seiner Kunst immer wieder bei konkreten Themen der eigenen sozialen und nationalen Realität an. Der Beschäftigung mit der britischen Identität und Selbstdarstellung, dem Versuch "die anheimelnde Mythologie der britischen Tradition anzugreifen" (M.W.) - künstlerische Hinterfragung und Dekonstruktion des Nationalismus am Höhepunkt der Thatcher-Ära in den achtziger Jahren -, folgte in den neunziger Jahren eine zunehmende Verlagerung hin zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und kulturellen Übereinkünften, identitätsstiftenden Codes und vor allem auch Glaubensüberzeugungen. Immer wieder rekurriert Wallinger dabei auch auf Sequenzen des christlichen Bildgedächtnisses. "Große Themen", Existentielles wie Fundamentales, finden sich bei ihm nicht gravitätisch inszeniert, sondern leicht und mit Witz und Ironie verpackt.

 

  "Seeing Things", die Ausstellung der Minoriten-Galerien in Graz im ehem. Jesuitenkollegium, lässt durch geschickte künstlerische Inszenierung alltägliche Dinge und Vorgänge zu Chiffren der Conditio humana werden.
Die Videoarbeit "Threshold to the Kingdom" versetzt den Betrachter in die Ankunftshalle eines Londoner Flughafens. Aus einer automatisch aufgehenden Tür kommen die Fluggäste herein: allein, als Geschäftsreisende, privat; in Gruppen als Paare, Familien, Flugpersonal... . Manche gehen zielsicher ihren Weg, manche werden erwartet, begrüßt, umarmt, andere gehen allein. Das Video ist in extremer Zeitlupe aufgenommen; die Erzählzeit ist entsprechend lang gedehnt und kontrastiert mit der des Zuschauers. Die Szene wurde genau choreographiert. Über die Bildsequenz lagert sich betörend Gregorio Allegris Misererepsalm, der Ruf: "Herr, sei mir Sünder gnädig...". Die Tür des Londoner Flughafens wird zur Himmelstür oder genauer, vom Text des Psalmes her: zur Schwelle des Purgatoriums. 
Dem gegenüber die Arbeit "On an Operating Table": Wie das Auge Gottes zieht das grelle Licht einer Lampe über einem Operationstisch den Betrachter in seinen Bann. Im Wechsel zwischen Schärfe und Unschärfe suggeriert es den narkotisch-taumelnden Schwebezustand ohne volles Bewusstsein. Dazu sprechen verschiedene Stimmen einmal zögernd, das andere Mal mit sicherem Klang Buchstabe für Buchstabe den ersten Satz des erhabenen Textes des Johannesprologs: "I.N.T.H.E.B.E.G.I.N.N.I.N.G.W.A.S.T.H.E.W.O.R.D"! Bei Wallingers ironisch-subtilem Spiel mit Elemen-ten des christlichen Bildgedächtnisses geht es um mehr als bloßes Zitieren; der an der Decodierung quasi-religiösen britischen Nationalstolzes Geschulte stellt nun Fundamentaleres künstlerisch zur Disposition: Der Künstler-Prophet, der immer wieder gekonnt seine transpersonale Rolle in der Figur des "Blind Faith" spielt, wird zur Chiffre, zur Idee von jedem Menschen, "der je den Wunsch nach Glauben, Unschuld und ewigem Leben verspürt hat" (M.W.). 
A.Kölbl/J.Rauchenberger
   

 

 
 
WILLKOMMEN in den MINORITEN GALERIEN Graz!