|
ILA
ILAs Annäherung an künstlerische Verfahrensweisen zeugt von der Kluft, die junge KünstlerInnen auszuhalten haben, wenn sie nach einer zeitgenössischen Bildsprache einer Weltbewältigung suchen. Letzteres ist bei ILA klarer und intensiver als anderswo. Sein kurzer Aufenthalt als "Staatskünstler" in Albanien vor zwei Jahren, als der Polizeipräsident "Bilderschießen" auf eine junge nackte Frau
(ILAs Freundin, die gerade schwanger geworden war) präzis vorführte, zeigt dies in einer ebenso entsetzlichen Weise wie die Foto-Dokumentation einer Motorradreise
durch Slowenien und dessen Auslieferung an die Fratzen der neuen kapitalistischen Weltordnung. Auf diesem Hintergrund ist Weltbewältigung durchaus politisch verstanden, und der Mediendiskurs, den ILA ausgerechnet mit Malerei betreibt, hat eine andere Valenz. Es liegt zwar ein Barockengel neben einem Handy auf einem
"frame", und die Computeranlage ist zentral positioniert in seinem Atelier in der
Monsbergergasse; all diese sind aber nicht nur Werkzeug für ILA, sondern in gewisser Weise auch Metaphern einer Daten- und Informationsübertragung, einer medialen Konstruktion von Welt, die aber die Frage eines
"backings" offen halten. Aber ILA ist Maler, nebenbei von nicht geringer Eloquenz, die sein Reflexionsniveau kundtut.
Die Engel kehren wieder, die Babys mit Flügeln, die Raketen, die Bearbeitung der Mondlandung als mediales Phänomen eines 1969 Geborenen, die Pose eines nackten Models neben gezeichneten Affen als Medienverschnitt, Buntstiftzeichnungen sind im Computer extrem vergrößert und werden wieder in das analoge Bildmaterial zurückgespült, verschiedene Bildträger werden in verschiedenen künstlerischen Phasen gewechselt, was man als "ein Spiel mit den Formaten medialer Repräsentation und Konstruktion von Wirklichkeit und eine spielerische Untersuchung des zeitgenössischen Bildbegriffs" (F.
Niegelhell) bezeichnet hat, das
heißt, wo vor Jahren Malerei auf Leinwand war, wurde diese mit Klebetechnik erweitert, durch die Digitalisierung des Computers entstand dann wieder der analoge Siebdruck auf Leinwand mit jeweils drei Mutanten, dann (schon dieses Jahr) die Pressspanplatte u.a. mit der Serie der "spirituellen Führer", und im Moment hält er beim der konkav gewölbten Bildschirmform angepassten
Acrylharzlaminat. Zur Zeit malt er auf solchen Bildträgern Affen im grobem Pinselduktus, die angedeuteten "Bildschirmmeldungen" "HOMO RUDOLFENSIS MAYBE GREEN" zeigen von der Zufälligkeit anthropologischer Annahmen, denn die frühen Hominiden könnten ja tatsächlich grün gewesen sein, die Pigmente können nicht nachgewiesen werden. Das spricht der studierte Geologe, und die Annahme ist die eines Malers. Auch Blau ist eine Möglichkeit oder orange.
Zurück aus dem Dschungel der Medienreflexion: Eine Verlangsamung. "Analoge" Malerei als bleibende Faszination zwischen "digitalen" Daten. Das Neue darin, vielleicht: Der "Wechsel von
Botschaften durch die Medien" wird zur "Rekombination von Inhalt"
(Niegelhell): Dies ist in der Tat das eigentlich Bestechende an ILAs Kunst. Bemerkenswert:
"Backing", das neudeutsche Wort für Rückbindung (re-ligio) kommt zwischen den Sätzen (und auf den Bildern) immer wieder hoch. Dinge, die abgebildet werden, sind nicht nur Medium als Medium als Medium, sie entwickeln bei ILA ihre eigene Sprache. (Das Problem der Verweisung, wenn man mit Mittlern zu tun hat.)
Johannes Rauchenberger
|