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Stefan Emmelmann: O HAPPY
ILLUSION (O FELIX VERITAS)
Im Spannungsfeld
von Bild und Text ist das Werk des aus München stammenden und im
Waldviertel lebenden Künstlers Stefan Emmelmann situiert. Seine „written
images“ können als existentielle Identitätsparameter (Carl Aigner)
gelesen werden: Es ist eine Mediengrammatik, die nach den
Möglichkeiten der Lesbarkeit/Sichtbarkeit von Welt fragt.
Analytische und emotionale Sehprozesse gehen in seinen fragilen
Bildsujets ineinander über; die Thematisierung der Bildlichkeit wird
mittels Schrift kenntlich gemacht und umgekehrt.
Neben neutralen
„Bildern“, die in den letzten Jahren durch den Übergang von Hand
gemalten Schriftbildern zu digitalen Bearbeitungen gekennzeichnet
waren, sind Installationen vornehmliche Orte seiner künstlerischen
Zeichensetzungen. In der subtilen Täuschung des Zwischenraums von
Bild und Abbild werden Sätze performativ verstanden – als
Aufforderung oder Feststellung. Die Brücke zu seinen frühen Arbeiten
des Bilderschreibens mit Hand und Pinsel bildet die durch das
„Wort-Schreiben“ in Anspruch genommene Zeit. In dieser Hinsicht
stellt die Landschaft des Waldviertels, wo Emmelmann die letzten 20
Jahre lebte, die produktive Bedingung für seinen üppigen Umgang mit
der Zeit und den daraus resultierenden Bildern dar.
„wishes come true
- dreams come true - hopes come true - fears fade away” – die
Arbeiten, die Stefan Emmelmann in der Ausstellung im steirischen
Herbst 2002 in den Minoriten-Galerien Graz konzipierte, waren in
Wolken eingewebte Sätze des Versprechens, visueller Raster und
pikturale Verankerung zugleich, die aber erst bei näherem Hinsehen
in Erscheinung traten; als eine ins Positive gewendete Täuschung,
die als solche überhaupt zum künstlerischen Achsenmedium wurde. Sie
hatten die großen Fenster des barocken Stiegenaufgangs in den
Mauerachsen buchstäblich verdoppelt, indem sie den Ausblick auf
Himmelswolken vom Morgen- bis zum Abendrot freigaben. Täuschung als
barockes Prinzip hat Stefan Emmelmann provokativ nicht als
Fragestellung von real und virtuell bearbeitet, sondern existentiell
verdichtet als performative Verheißung. Dem Bild näher zu kommen,
welches an sich als Täuschung konzipiert ist, kann als Prozess des
Gewahrwerdens verstanden werden.
Mit diesem
ursprünglichen Auf-Decken mit den Bedingungen von Bildlichkeit
beschäftigte sich beispielsweise auch die Arbeit: „Zerreiße den
Schleier“ vor dem Seiteneingang der romanischen Martinskirche in
Sindelfingen. Diese fungiert als Aufforderung und Bedingung zum
imaginären Zugang in einen Raum, der semiotisch sakral definiert
ist. Metaphorisch gesprochen die Zeit nach dem Zerreißen des
Tempelvorhangs, die Zeit des Unverhülltseins, heideggerisch: zur
a-letheia. Die Möglichkeit, in historisch-sakral determinierten
Räumen, die Forderung nach dem Zerreißen des Schleiers zu stellen,
ist zwar leichter (und gleichzeitig notwendiger), deren Provokation
bleibt aber dennoch allgemeingültig, da sie die Existenz des
Schleiers voraussetzt. Nicht nur (Wieder-)gewinnung von Sakralität
ist das Thema, auch die Wiedergewinnung von Grenzen zur
Unterscheidung von innen und außen, von diesseitigen und jenseitigen
Räumen, von Lüge und Wahrheit.
Johannes
Rauchenberger
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