KULTURZENTRUM bei den MINORITEN   

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  PROGRAMM 05/06 2002
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Mo. 6. 5.


20.00 Uhr


Eintritt: EUR 11,-
/7,-

 

 

 

 

Wolfgang Suppan
Trügerische Idyllen

 

 

"Die Gesellschaft muss durch die Menschen studiert werden und die Menschen durch die Gesellschaft"
(J.-J. Rousseau)

"Idyll beschreibt nicht die Vorstellung einer friedvollen Landschaft, sondern eine gewisse Form des Loslassen"

Der 1966 im oberösterreichischen Vöcklabruck geborene Komponist Wolfgang Suppan entzieht sich einfachen Einordnungen in einen "Traditionsstrang" avantgardistischer Musik. Seinen Kompositionen wird oft und immer wieder eine besondere Klangsinnlichkeit nachgesagt, und da man weiß, dass einer seiner wichtigsten Lehrer an der Wiener Hochschule der Französischschweizer Michael Jarrell war, wäre man dennoch einem großen Missverständnis erlegen, in Suppans Musik eine französisch-klangsinnlich-spektrale Herkunft hineinhören zu wollen. Gerade aber in Paris - nämlich am berühmten IRCAM - hat Wolfgang Suppan seine Kenntnisse in einem Bereich erweitert und verfeinert, der einen ganz entschieden anderen Aspekt seiner Musik ausmacht: die Arbeit am und mit dem Computer. 
Wenn es etwas gibt, das die Ausgangspunkte (!) seiner Arbeiten zusammenfasst - zumindest seit er im Jahr 1998 ein erstes Werk “Idyll” nannte - dann könnte es der bewusste Versuch einer Voraussetzungslosigkeit sein, sich immer wieder freimachen von Verengungen: So sieht er seine Stücke als Wegmarkierungen, wobei hier keineswegs die Assoziation auf Geradlinigkeit oder eindeutige Teleologie gerichtet sei.

"Ich nehme die Musik des 20.Jahrhunderts vor allem im Rahmen meiner
Unterrichtsstätigkeit wahr, betrachte aber die geschaffenen kompositorischen Möglichkeiten nicht als Errungenschaft, auf deren Basis man selbstverständlich aufbauen kann. Ich glaube, man sollte sich sehr gut über die verschiedenen musikalischen Entwicklungen informieren. Werke analysieren, wann immer es geht, Stücke live in Konzerten hören. 
Bei der eigenen Arbeit aber suche ich einen ‚Nullpunkt', einen Punkt, wo das
Wissen um die Musik nicht zum Hilfsmittel wird, sondern mich antreibt, einen eigenen, persönlichen Ausdruck zu finden."

Wenn traditionelle Anknüpfungspunkte für Suppans Werke, oder zumindest für einige von ihnen, existieren, so sind sie verschütteter und liegen musikgeschichtlich weiter zurück:

"Haydn, für seinen unglaublichen Esprit und seine klare Themenverarbeitung. 
Schubert, weil er eine so eigenständige Sprache gefunden hat, dass man ihn schon nach der ersten Akkordverbindung erkennt. Und Guillaume de Machaut, der in seinen extrem artifiziellen, strengen Konstruktionen eine wunderbare Rauheit entstehen lässt."

"Mich faszinieren die philosophischen Untersuchungen von Jean-Jacques
Rousseau zum Thema Natur und Gesellschaft: nicht als eine Unterscheidung
von Gut und Böse, sondern der Unterschied zwischen freier und
gestalteter Entwicklung. Dieser Unterschied bestimmt meine
kompositorische Entwicklung."


Programm
Grounds - für Klavier 1996/98

maffin... - für Kontrabass und Live-Elektronik 2000

Idyll III - für Schlagzeug solo 
und Live-Elektronik 2001(UA)

Dialog I - für Flöte und 
Live-Elektronik 1998


Florian Müller, Klavier
Sylvie Lacroix, Flöte
Berndt Thurner, Schlagzeug
Michael Seifried, Kontrabass
Wolfgang Suppan, Elektronik

Mit freundlicher Unterstützung durch    

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