KULTURZENTRUM bei den MINORITEN   

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  PROGRAMM 05/06 2002
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Di. 14. 5.


20.00 Uhr


Eintritt: frei

Literatur aus Triest - Trieste - Trst
Kenka Lekovich, Roberto Dedenaro und Marko Kravos

 

 

Wie immer man zu dieser Stadt stehen mag, eines wird man ihr kaum absprechen können: die im Verhältnis zu ihrer bescheidenen Größe ungewöhnliche, geradezu frenetische literarische Präsenz in diesem Jahrhundert. Und zwar eine in mehreren Sprachen, die nebeneinander, sich oft kaum oder nur flüchtig wahrnehmend das Panorama der Triestiner Kultur und Literatur bis in die Gegenwart kennzeichnet, kon- und divergierend zu den zahlreichen Manifest-Texten, welche die poetischen begleiten oder selbst zu solchen werden. Eine Kennzeichnung, die mitunter Schwierigkeiten bereitet. Jedenfalls: wie nur wenige Städte/literarische Räume hat Triest eine unverwechselbare Literatur hervorgebracht, die eindringlicher als anderswo mit den paradoxen Fakten und dichten Erfahrungen ihrer atypischen Geschichte verwoben ist: einer abgeschlossenen, irreversiblen Geschichte rasanter, fiebriger Expansion, die 1918 jäh in eine Gegenwärtigkeit einmündete, abbrach, die nicht selten im Zeichen einer Krise, aber auch neuer Gravitationsfelder wahrgenommen wurde. An Debatten und programmatischen Texten hat folglich nie Mangel bestanden. Und immer wieder, von außen wie von innen her, die vehement vorgetragenen und ebenso heftig angefehdeten Ideen - Projektionen? - einer "Triestiner Literatur", einer "Grenzliteratur / Literatur an der Grenze" sowie die unablässigen Beschwörungen und Einkreisungen verschiedener Mythen: dem des "mitteleuropäischen" Erbes, zugleich auch eines plurilingualen und plurikulturellen Vermächtnisses, einer Peripherie, die sich neu zu positionieren, die sich dem Etikett "Stadt-Museum" zu entziehen sucht, aber auch den einer "Literaturstadt", die ihr Renommee ausschließlich der Schrift, dem Buch verdanke, ja fast nur in ihr existiere.
Trotz alledem, "Triestiner Literatur" letzlich zu beschreiben oder gar auf einen Begriff zu bringen, erweist sich als recht aussichtsarmes Unter-fangen, ist nämlich die Textlandschaft ungemein heterogen - und abgründig. Nur dass sie "anders" ist in ihrer Italianität, in ihrem schwierigen Verhältnis zum "nationalliterarischen Kanon", steht außer Streit, auch "anders" in ihrer "Slowenität", - ein "Corpus separatum", gekennzeichnet von mehrfacher "diversitá". 
Avantegardeverwöhnte Leser vermissen vielleicht radikalere, experimentellere De- und Rekompositionen jener parallelen und sich überlagernden Sprach-Zeichen-Kultur-Welten, wie sie gerade Triest offeriert. Und doch zeichnen sich in den Texten der 90er Jahre neue Sprechweisen ab, die auf Veränderungen in der urbanen Struktur, ihrer Kommunikations- und Ausdrucksformen Bezug nehmen, reagieren: mit Tonlagen und Registern des “pulp” und der “controcultura” ebenso wie mit psychologischer Raffinesse, satirischer Zuspitzung und realistischer Nachzeichnung des eigentlichen, d. h. banalen Alltags und seiner pathologischen Rhythmen. (Primus-Heinz Kucher)
 
Einführung: Prof. Dr. Primus-Heinz Kucher
Veranstalter
Literaturzeitschrift Lichtungen
transLOKAL
Kulturzentrum bei den Minoriten
In Kooperation mit
Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas 
Cultural City Network Graz
Kulturamt der Stadt Graz 
Kenka Lekovich
Geb. 1963 in Fiume/Rijeka, lebt in Triest,
journalistische Arbeiten. Vielbeachtetes 
Debut mit La strage degli anatroccoli 1994.

Roberto Dedenaro
Geb. 1956, lebt und arbeitet in Triest.

Veröffentlichungen: 
Gli inopprimibili rumori (1987), 
Osservazionisull'abitare (1993), 
Visioni di un viso diviso (1994) , 
La festa dellapolvere (1997); 
1989-94, Präsident des GRUPPO 85 
(italien.-sloven.Kulturverein + Literaturzentrum) Mitarbeit an Zeitschriften und Anthologien. 

Marko Kravos
Geb. 1943, lehrt an der Universität Triest, Mitglied des slowenischen PEN-Zentrums, 
mehrere Lyrikbände: Tikotno jadro 1972; 
V znamenju škrzata 1985; Sredozemlje 1987; 
Obzorje in sled 1992; Krompir na srcu 1996.