KURT STRAZNICKY: OBJEKTE

 

 
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Eröffnung:
Johannes Rauchenberger
Minoriten-Galerien, II. Stock

Dauer der Ausstellung
7. 3. - 5. 4. 2002

Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch (Triton-Verlag) mit Texten von Bodo Hell und Elisabeth von Samsonow

 

 

 

 

 

 

 

 

Der ursprünglich aus Graz stammende Objektkünstler Kurt Straznicky, nebenbei auch Anatom, gefriert Erinnerungsbilder, in Kunstharz eingelassen, zu Anschauungsobjekten reliquialer Valenz. In transparenten Kunstharzkörpern sind deutlich, manchmal auch nur vage, Figuren zu erkennen. Sie gleichen in Bernstein erstarrten Lebewesen und wirken auf den Betrachter wie Erinnerungsbilder.
Diese liegen erstarrt im Kunstharz, wenngleich sie nie den Eindruck von Stillstand erwecken. Ein Spiel mit der Wahrnehmung setzt ein, da die Figuren zwar erkenn- bar sind, sich aber gleichzeitig entfernen. Umgeben von einem Körper aus durchsichtigem Material schützen sie ihren verletzlichen Kern.

 

 

Bodo Hell, bei der Lesung zu Kurt Straznicky im Kulturzentrumbei den Minoriten am 6.3.2002

“... Sie könnten sich ein Kind vorstellen, das vor einem jener Straßenverkäufer in Athen auf und ab läuft und dann frontal zu diesem Mann und seinen Papierbäumen stehen bleibt, wo er seine Lose (einer lokalen Lotterie) in Reihe untereinander auf Tragestangen geklemmt hat, mit denen er als stützenden Stecken übers Pflaster staksend vorwärtsgeht, Hirten- oder Heroldsstäben gleich, auf den Boden klopfend, was nicht nur die Aufmerksamkeit der Passanten Umgebung wachruft, die den werbenden Singsang ohnedies schon von fern wahrgenommen hat, da werden einzelne Scheine vielleicht mit Lieblingsnummern herausgezogen, Sie könnten sich aber auch einen Säulenteil irgendwo im Seitenschiff einer Kathedrale, vielleicht der Hauptkirche der Stadt, vorstellen, der in einem länglichen Stück ausgebessert also restauriert erscheint, d.h. wir sehen auf einen überraschend hellen Einsatz als Ergänzungsteil einer wohl schadhaften Stelle, wobei das Paßstück seinerseits wieder diverse Einsatzstücke (Paar-Zellen), diesmal in gelblich transparentem Material trägt, in das wie Darstellungen einer fernen Legende eine Serie von 8 ab- und aufsteigenden Bildchen eingelassen sind, mit jeweils zwei Köpfen, die den Betrachter mehr oder minder deutlich anschauen, die Schriftfelder unter den stegverbundenen Einzelbildchen, die der Beschauerin den Zusammenhang und die vermuteten Wunderereignisse näherbringen könnten, sind jedoch leer, also für persönliche Beschriftung offen die beiden Säulensockel (des Anamorphs und Anamorphs D) als Ruhelager für die zwei kühnen GipsLocken (sowohl das Podest als auch das Schaustück zeigen sich in gleich dichtem Weiß) erscheinen je konkav/konvex gebuchtet, man denkt sofort an weitere mögliche Säulenformen, sie öffnen sich zum Rockschlitz einer Figurine (eines priesterlich fraulichen Unterteils), die dritte Stele (aus Holz) macht die Charakteristik so eines der Länge nach aufreißenden (vielleicht einseitig getrockneten) Stammstücks überdeutlich, um das Lebensholz auch nach der Trennung von der Wurzel endgültig zur Ruhe zu bringen, müßte man den Rundling (empfiehlt der Holzfachmann) in der Mitte von oben nach unten durchbohren und dergestalt den aktiven Kern des Zylinders außer Kraft setzen, das Innere des abgeschnittenen Porrees/Lauchs, es wächst auch auf trockenem Küchentisch noch Stück um Stückchen stufenweise hoch, ein Spaltgips (weiß man) bringt etwas Erleichterung, daß wir die Locken-, Hörner-, Knochen-, Meeresbewohnerinnen-Form, die jeweils oben drehbar auf der Kalotte aufsitzt, als physiognomische Nachzeichung einer realen 3-D-Erscheinung (vielleicht einer Frauenkopflinie) zu deuten vermögen, dazu müßten wir erst durch eine Art Vexierbild des lebenden oder toten Modells angeregt werden, hätte ich mich einmal der charakteristischen Züge so eines Menschengesichts aus dem Familienkreis in seiner jeweiligen zeitlichen Ausprägung samt ephemerem FrisurenAnteil versichert, könnte ich vielleicht nicht mehr von dieser kühn geschwungenen Kurve (die aus der zweiten in die dritte Dimension gesetzt scheint) in andere Formenbereiche hinein (etwa vom Anthropoiden zum Vegetabilen oder Marinen) weiterphantasieren wie kleine Fische schweben 2 Figürchen, die Bildchen jener 2 Figuren mit ihren Hündchen unter der Wasser- das heißt: GußKleberOberfläche, je nachdem wie Sie sich diesen Harz/HolzDoppelBlöcken nähern, sehen Sie entweder einen unscheinbaren dunkeln Streifen eingeschlossen (von der Seite in Augenhöhe) oder zwei oder drei undeutliche Gestalten in verschiedener Tiefe schwebend (letzteres aufs Eck visierend und mit dem Kopf etwas auf- und absuchend), wenn man im rechten Block den Mann eingeschweißt vermutet oder es gesagt bekommen hat, wird gleich deutlich, daß dieser viel weniger geerdet erscheint (das heißt mit viel weniger Holz unter sich oder unter dem herausgeschnittenen Stück HarzTeich) als die Frau, die ihrerseits im seichteren Wasser schwebend und gut geholzt erscheint, daß die Aus- und Abschnitte der Materialform einander ergänzen, liegt auf der Hand und vielleicht auch in einer unbewußten Tradition begründet, nämlich wie man über den gegengeschlechtlichen Eros zu sprechen gelernt hat, d.h. jener alten verwirrenden Erzählung folgend, die von einer Zeit der 3 Geschlechter spricht, männlich die Sonne, weiblich die Erde und hermaphroditisch der Mond, das dritte Geschlecht soll sich kugelnd und radschlagend mit seinen 2x4 Extremitäten fortbewegt haben (wenn es schnell gehen mußte), alle drei Geschlechter suchten sich den Zugang zum Himmel zu bahnen, wie vordem schon die Giganten, was der große Himmelsherr nicht dulden konnte, also zur Schwächung der Menschen die hermaphroditischen Kugeln vivisektorisch auseinanderschnitt, damit sie sich nur mehr zweibeinig fortbewegen konnten und androhte, sollten sie fürderhin freveln, sie weiter zu zerteilen, daß sie sich überhaupt nur mehr einbeinig wie ein Kreisel auf der Stelle drehen könnten, Apollo mußte dann den halben Kopf herumdrehen und das Zerteilte (die Haut bis auf den Nabel zusammenziehend) heilen, nachdem nun die Gestalten entzweigeschnitten waren, sehnte sich und sehnt sich bis heute jedes nach seiner anderen Hälfte, früher zeugten und erzeugten sie seitlich in die Erde wie die Zikaden, jetzt wurden die Schamteile nach vorn verlegt, daß sie sich in der Umarmung treffen können, von so lange her also ist die Liebe zueinander den Menschen angeboren und sie versucht aus zweien eins zu machen und den unzerschnittenen Zustand wiederherzustellen, der Künstler aber hat die autobiographischen Hälften in die halbdurchsichtige Masse eingesargt und die Suche nach dem Paßstück auf die beiden Kunstobjekte und ihre MaterialKonstellation (Holz/Harz) sowie auf ihre Formergänzung (gegenseitiger Abguß) übertragen

Bodo Hell

 

 

  Kurt Straznicky
1959 geboren in Graz
1977 -1985 Medizinstudium in Graz; Promotion
1986 -1993 Akademie der
Bildenden Künste, Wien; Diplom
seit 1999 Lehrauftrag für Anatomie an der Akademie d. bild. Künste, Wien
Lebt in Wien

Künstlerische Tätigkeit
1995 Pädagogische Akademie, Graz
1996 Galerie Tiller, Wien
1996 "Unplugged", Kunstforum Schloß Wolkersdorf
1998 Galerie Atrium ed Arte, Wien
1999 Galerie 4U, Bruck/Mur
2001 Galerie Atrium ed Arte, Wien

AusteIlungsbeteiligungen
1990 Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz 1991 Viertelsgalerie, Zwettl; 1991 Teilnahme am 2. Bildhauersymposium, Zwettl
1994 "kick off", Akademie der Bildenden Künste, Wien
1998 Kunstmesse Wien, Galerie Atrium ed Arte
1999 Galerie Atrium ed Arte, Wien
2000 "Schöpfungszeiten" Landesgalerie OÖ
2001 Galerie Schafschetzy, Graz

2003 BIOGRAPHISCHE BERUHIGUNG, Galerie Schafschetzy, Graz

2006 "Nur für Schwimmer", Galerie Schafschetzy, Graz
NÖ Dokumentationszentrum für Moderne Kunst

 
   

 

 
 
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