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KURT STRAZNICKY: OBJEKTE
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Eröffnung:
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Der ursprünglich aus Graz stammende Objektkünstler Kurt Straznicky,
nebenbei auch Anatom, gefriert Erinnerungsbilder, in Kunstharz
eingelassen, zu Anschauungsobjekten reliquialer Valenz. In transparenten
Kunstharzkörpern sind deutlich, manchmal auch nur vage, Figuren zu
erkennen. Sie gleichen in Bernstein erstarrten Lebewesen und wirken auf
den Betrachter wie Erinnerungsbilder. |
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Bodo Hell, bei der Lesung zu Kurt Straznicky im Kulturzentrumbei den Minoriten am 6.3.2002 |
“... Sie könnten sich ein Kind vorstellen,
das vor einem jener Straßenverkäufer in Athen auf und ab läuft und dann
frontal zu diesem Mann und seinen Papierbäumen stehen bleibt, wo er seine
Lose (einer lokalen Lotterie) in Reihe untereinander auf Tragestangen
geklemmt hat, mit denen er als stützenden Stecken übers Pflaster staksend
vorwärtsgeht, Hirten- oder Heroldsstäben gleich, auf den Boden klopfend,
was nicht nur die Aufmerksamkeit der Passanten Umgebung wachruft, die den
werbenden Singsang ohnedies schon von fern wahrgenommen hat, da werden
einzelne Scheine vielleicht mit Lieblingsnummern herausgezogen, Sie
könnten sich aber auch einen Säulenteil irgendwo im Seitenschiff einer
Kathedrale, vielleicht der Hauptkirche der Stadt, vorstellen, der in einem
länglichen Stück ausgebessert also restauriert erscheint, d.h. wir sehen
auf einen überraschend hellen Einsatz als Ergänzungsteil einer wohl
schadhaften Stelle, wobei das Paßstück seinerseits wieder diverse
Einsatzstücke (Paar-Zellen), diesmal in gelblich transparentem Material
trägt, in das wie Darstellungen einer fernen Legende eine Serie von 8 ab-
und aufsteigenden Bildchen eingelassen sind, mit jeweils zwei Köpfen, die
den Betrachter mehr oder minder deutlich anschauen, die Schriftfelder
unter den stegverbundenen Einzelbildchen, die der Beschauerin den
Zusammenhang und die vermuteten Wunderereignisse näherbringen könnten,
sind jedoch leer, also für persönliche Beschriftung offen die beiden
Säulensockel (des Anamorphs und Anamorphs D) als Ruhelager für die zwei
kühnen GipsLocken (sowohl das Podest als auch das Schaustück zeigen sich
in gleich dichtem Weiß) erscheinen je konkav/konvex gebuchtet, man denkt
sofort an weitere mögliche Säulenformen, sie öffnen sich zum Rockschlitz
einer Figurine (eines priesterlich fraulichen Unterteils), die dritte
Stele (aus Holz) macht die Charakteristik so eines der Länge nach
aufreißenden (vielleicht einseitig getrockneten) Stammstücks überdeutlich,
um das Lebensholz auch nach der Trennung von der Wurzel endgültig zur Ruhe
zu bringen, müßte man den Rundling (empfiehlt der Holzfachmann) in der
Mitte von oben nach unten durchbohren und dergestalt den aktiven Kern des
Zylinders außer Kraft setzen, das Innere des abgeschnittenen
Porrees/Lauchs, es wächst auch auf trockenem Küchentisch noch Stück um
Stückchen stufenweise hoch, ein Spaltgips (weiß man) bringt etwas
Erleichterung, daß wir die Locken-, Hörner-, Knochen-,
Meeresbewohnerinnen-Form, die jeweils oben drehbar auf der Kalotte
aufsitzt, als physiognomische Nachzeichung einer realen 3-D-Erscheinung
(vielleicht einer Frauenkopflinie) zu deuten vermögen, dazu müßten wir
erst durch eine Art Vexierbild des lebenden oder toten Modells angeregt
werden, hätte ich mich einmal der charakteristischen Züge so eines
Menschengesichts aus dem Familienkreis in seiner jeweiligen zeitlichen
Ausprägung samt ephemerem FrisurenAnteil versichert, könnte ich vielleicht
nicht mehr von dieser kühn geschwungenen Kurve (die aus der zweiten in die
dritte Dimension gesetzt scheint) in andere Formenbereiche hinein (etwa
vom Anthropoiden zum Vegetabilen oder Marinen) weiterphantasieren wie
kleine Fische schweben 2 Figürchen, die Bildchen jener 2 Figuren mit ihren
Hündchen unter der Wasser- das heißt: GußKleberOberfläche, je nachdem wie
Sie sich diesen Harz/HolzDoppelBlöcken nähern, sehen Sie entweder einen
unscheinbaren dunkeln Streifen eingeschlossen (von der Seite in Augenhöhe)
oder zwei oder drei undeutliche Gestalten in verschiedener Tiefe schwebend
(letzteres aufs Eck visierend und mit dem Kopf etwas auf- und absuchend),
wenn man im rechten Block den Mann eingeschweißt vermutet oder es gesagt
bekommen hat, wird gleich deutlich, daß dieser viel weniger geerdet
erscheint (das heißt mit viel weniger Holz unter sich oder unter dem
herausgeschnittenen Stück HarzTeich) als die Frau, die ihrerseits im
seichteren Wasser schwebend und gut geholzt erscheint, daß die Aus- und
Abschnitte der Materialform einander ergänzen, liegt auf der Hand und
vielleicht auch in einer unbewußten Tradition begründet, nämlich wie man
über den gegengeschlechtlichen Eros zu sprechen gelernt hat, d.h. jener
alten verwirrenden Erzählung folgend, die von einer Zeit der 3
Geschlechter spricht, männlich die Sonne, weiblich die Erde und
hermaphroditisch der Mond, das dritte Geschlecht soll sich kugelnd und
radschlagend mit seinen 2x4 Extremitäten fortbewegt haben (wenn es schnell
gehen mußte), alle drei Geschlechter suchten sich den Zugang zum Himmel zu
bahnen, wie vordem schon die Giganten, was der große Himmelsherr nicht
dulden konnte, also zur Schwächung der Menschen die hermaphroditischen
Kugeln vivisektorisch auseinanderschnitt, damit sie sich nur mehr
zweibeinig fortbewegen konnten und androhte, sollten sie fürderhin
freveln, sie weiter zu zerteilen, daß sie sich überhaupt nur mehr
einbeinig wie ein Kreisel auf der Stelle drehen könnten, Apollo mußte dann
den halben Kopf herumdrehen und das Zerteilte (die Haut bis auf den Nabel
zusammenziehend) heilen, nachdem nun die Gestalten entzweigeschnitten
waren, sehnte sich und sehnt sich bis heute jedes nach seiner anderen
Hälfte, früher zeugten und erzeugten sie seitlich in die Erde wie die
Zikaden, jetzt wurden die Schamteile nach vorn verlegt, daß sie sich in
der Umarmung treffen können, von so lange her also ist die Liebe
zueinander den Menschen angeboren und sie versucht aus zweien eins zu
machen und den unzerschnittenen Zustand wiederherzustellen, der Künstler
aber hat die autobiographischen Hälften in die halbdurchsichtige Masse
eingesargt und die Suche nach dem Paßstück auf die beiden Kunstobjekte und
ihre MaterialKonstellation (Holz/Harz) sowie auf ihre Formergänzung
(gegenseitiger Abguß) übertragen
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Kurt Straznicky 1959 geboren in Graz 1977 -1985 Medizinstudium in Graz; Promotion 1986 -1993 Akademie der Bildenden Künste, Wien; Diplom seit 1999 Lehrauftrag für Anatomie an der Akademie d. bild. Künste, Wien Lebt in Wien Künstlerische Tätigkeit 1995 Pädagogische Akademie, Graz 1996 Galerie Tiller, Wien 1996 "Unplugged", Kunstforum Schloß Wolkersdorf 1998 Galerie Atrium ed Arte, Wien 1999 Galerie 4U, Bruck/Mur 2001 Galerie Atrium ed Arte, Wien AusteIlungsbeteiligungen 1990 Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz 1991 Viertelsgalerie, Zwettl; 1991 Teilnahme am 2. Bildhauersymposium, Zwettl 1994 "kick off", Akademie der Bildenden Künste, Wien 1998 Kunstmesse Wien, Galerie Atrium ed Arte 1999 Galerie Atrium ed Arte, Wien 2000 "Schöpfungszeiten" Landesgalerie OÖ 2001 Galerie Schafschetzy, Graz 2003 BIOGRAPHISCHE BERUHIGUNG, Galerie Schafschetzy, Graz 2006 "Nur für Schwimmer", Galerie Schafschetzy, Graz |
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