Sa. 20. 4.
Eröffnung: 19.30 Uhr
Einführung: Johannes Rauchenberger
Eintritt frei
Minoriten-Galerien, II.Stock
Kunstvermittlung: Christine Hollerer
Führungen auf Anfrage unter 711133-25
Dauer der Ausstellung:
21. 4. - 17. 5. 2002
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 9.00 - 17.00 Uhr
Michael Kos
1963 geboren in Villach
1986 Studium an der Hochschule für Angewandte Kunst/Wien, bei Prof. Peter Weibel, Diplom 1991
Lebt und arbeitet in Wien und in Katzelsdorf/Weinviertel
Ausstellungsbeteiligungen
1988 "off fotos" Museum Moderner Kunst/Wien; 1989 "Junge Szene", Secession/Wien;
1991 "Linzbilder" Neue Galerie/Linz; 1999 "Sozialmaschine Geld", OK-Centrum für Gegenwartskunst/Linz u.a.
Einzelausstellungen (Auswahl)
1998 "im süßesten Brei bitter erwachen",
Galerie Freihausgasse/Villach;
1998 "schwarzer Flug" Forum Schloss Wolkersdorf; 2000 "Brotarbeit" Barockschloss Mistelbach;
2001 "fette Tränke" Künstlerhaus Klagenfurt
Aktionen im öffentlichen Raum
1996-98 "die Armutsgrenze"/"exchange"/
"Geld braucht Kunst"
Buchveröffentlichung
2000 "Herzversagen", Prosa,
Literaturedition Niederösterreich
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Michael Kos
brotzeit
ich wusste immer, dass kunst satt macht
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"Ich wusste immer, dass Kunst satt macht." Eine schöne Feststellung für eine Ausstellung. Ein Teil davon wird beim Projekt "UNNÜTZ DIENT DEM LEBEN" nämlich wirklich gegessen - als eine Art Brotsuppe aus Kunst, die einmal Pantoffeln oder Spielzeug waren. Freilich, das ist nur EIN Aspekt der künstlerischen Arbeit des 1963 in Villach geborenen Michael Kos: Brot - Mangelware und Überfluss, sakrales Symbol und Überlebensmittel, Tabu und Biomüll. Sich dem Brot aus dem Blickwinkel der Nutzlosigkeit zu nähern, öffnet Felder auch heute noch existierender Tabus: Der Multimedia-Künstler Michael Kos (Studium von 1986 bis 1991 an der "Angewandten" in Wien bei Peter Weibel) hat Brot in vielen seiner "Erscheinungsformen” als "bespielbares Material" für sich entdeckt. Die Gestalt ist hier nicht die Regel für den Vollzug, denn Brot ist hier nicht zum Essen, sondern zum Spielen da. Hostien, Brot-Kanonenkugel, Brot-Rennautos in einem Arenageviert oder etwa ein ferngesteuertes "Panzerbrot" drehen die "Nutzlosigkeit" des Brotes als Tabubruch zu makaber-witzigen Umkehrsymbolen um.
Das Motto "Brot und Spiele" wird in den Arbeiten von Michael Kos zum - vom formbaren Material her reizvollen - Spielbetrieb-Mittel, das gleichermaßen Ironie, Witz, Achtung und Protest transportiert. Es ist ein ästhetisch einfach nachvollziehbares, dem Zynismus der Überflussgesellschaft in drastischer Form Widerspruch leistendes Sozialspiel, ein Wert-gegen-Werte-Spiel, das nichts erklärt, eher, im Sinne individueller
Wahrnehmbarkeit, verklärt.
Nutzlosigkeit ist in der künstlerischen Arbeit von Michael Kos aber keineswegs zu verwechseln mit der bekannten Haltung der l'art pour l'art. Ironischer Ästhetizismus ist nicht das Spiel, das Kos hier betreibt. Vielmehr geht es um den wirklichen Nutzen dessen, was darzustellen ist, die Symbolisierung seines Kreislaufs meinetwegen. Welcher Wert ist der Entnutzung von Werten entgegenzustellen? Nutzlosigkeit landet bei Michael Kos beim Kunstwert. Durchaus im Sinne von Goethe, der bei der Kunst von "Notwendigkeit" sprach. Die enge Verflechtung des
künstlerischen Nachdenkens von Kunst und Geld visualisiert er in letzter Zeit eben an Brot. Davor tat er es an bemalten Körben als voluminöse Scheiben, noch früher an Marmor, dem klassischen Bildhauermaterial.
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