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Mi. 6. 2.
20.00 Uhr
Eintritt:
Euro 6,50/3,50
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Lyrik von Joachim Gunter Hammer
Annäherung an die Schreibwerkstatt eines Zwillingsbruders
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"... Schon lange reist du / und diese Ebene ist / der Schmuck der Gipfel.
... Nachts wölbt sich spöttisch / über deinen Gedichten / der Mund aus Sonnen.
... In der Sprachzelle tobend ahn ich, / dass Ende und Anfang / falsche Betonungen sind ...
... Blatt um Blatt / tätowierst du / mit törichten Versen / ein riesiges Ei / woraus lachend / dein Tod schlüpft. // Im Ei / liegt das Nest / und flügge / der Aufschrei.
... Da hangelt einer von Vers / zu Vers, / ein strohblonder Aff, / und verschmatzt im Wipfel / ganz für sich allein / den Stern.
... und noch gestern aus Versen, / wohin weiß keiner, / eine Brücke erbaut, doch / wechselte der Fluß // das Bett über Nacht.
... Die weiße Untiefe / eines Blattes Papier, // darüber zaudert dein ferner Kopf, / worin sich die Wörter drehn; / in Querlage laufen die Verse / schon blau in dir an; // voller Stillstände ist /
... der Ausweg.
... prophetengrün umstehn Chirurgen / die rohe Fassung und schneiden herum / im misslungenen Vers.
Nach diesen Zitaten aus lyrischen Texten, das Schreiben meines Zwillingsbruders berührend, gibt es von diesem noch viele Gedichte, die als zerstreute Ars poetica über die Jahre hin verschiedene Bewusstseinslagen des Schreibprozesses reflektieren und bewusst nur als Gedichte und nicht in Form prosaischer Konzepte oder Manifeste sich selbst fokussieren. Natürlich mag es erlaubt sein anzumerken, dass neben Gedichten von der Schönheit bedrohter Biodiversität, Texten, worin auch Erkenntnisse und Weltanschielungen der Naturwissenschaften zumindest als Klangkörper ins Gedicht finden sollen, auch eine weitere poetische Auseinandersetzung mit Bruch- und Problemzonen der Zeit (Gentechnik, Reproduktionsmedizin, Cyberspace, Consumismo, neue Lebens-Liebens- und Sterbensumstände, Umgang mit dem Tier etc.) gesucht wird. Dies erfordert auch ein mühsames Ermitteln der "Wirklichkeitsfolie", der "Folie kollektiver Übereinkünfte" und die Percussion der jeweiligen Bezugsnetze. Klopfschall. Von dieser Basis aus, der Stimmigkeit im Elementaren und einer Verankerung im existentialen Schwingungsraum der Conditio humana, sagt mein Zwillingsbruder, der ein Homo ludens ist, sich immer wieder an der jähen Kompetenz eines Zufalls erfreut und widerspruchsfreie, geschlossene Systeme nicht schätzt, mögen dann im poetischen Akt meist lustvoll erlebte Automationsbrüche der Wahrnehmung, Empfindung und des Logos mit viel Glück zu Gedichten führen, die einem vielleicht sterbenslangen Bockschauen mit der Faktizität weit überlegen sind und zumindest das olympische Gelächter auf ihrer Seite haben.
Nach so einem Gedicht mag die Welt für einen Autor, den das Schreiben wie meinen Zwillingsbruder schon jahrelang als irgendwie archaische Ekstasetechnik verfolgt, wirklich kalt, hohl und leer sein. Deshalb sind Gedichte für ihn auch Fährten der Suche nach einem Satz, der in einer Dämmerschlaf- und Spaßgesellschaft Wegweiser sein könnte ins Erwachen.
(Joachim Gunter Hammer)
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Joachim Gunter HAMMER
Geboren 1950 in Graz, Studium der Biologie, Physik und Chemie; Veröffentlichungen im Rundfunk, in Zeitschriften und Anthologien des In- und Auslandes; zahlreiche Übersetzungen einzelner Gedichte in verschiedene Sprachen, mehrere Auszeichnungen,
dzt. 13 Gedichtbände, zuletzt:
Scheinwerfer. Leykam Verlag, Graz 1993;
Der blaue Kürbis. Leykam Verlag, Graz 1995;
Schattenspiele. Verlag Grasl, Baden - Wien 1998;
Dunkelrote Mischung. 17-Silber und Tanka. Edition Doppelpunkt, Wien 2001;
Stranstwane po hrebet (Gratwandern), ausgewählte Gedichte ins Bulgarische übersetzt, Sofia 2001.
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