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Di. 29. 1.
20.00 Uhr
Eintritt frei
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Literatur aus Brünn
Jirí Kratochvil, Vera Rosí
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"Einen schweren Aderlass stellt auch das Jahr 1968 dar: Mit dem 1970 erfolgten Verbot der führenden Brünner Literaturzeitschrift "Host do domu", Kristallisationspunkt des literarischen Lebens, mit Autoren wie Jan Skácel, Oldrich Mikulášek, Jan Trefulka, Milan Uhde oder Pavel Švanda, verödet Brünn. Allerdings entwickelt sich abseits der offiziellen Strukturen rasch eine parallele Kultur, die sich - trotz polizeilicher Verfolgung - des Samisdats als Transportmittel bedient und ein Ventil im Theater findet. So entwickelten sich die in den sechziger beziehungsweise siebziger Jahren gegründeten Theater
"Husa na provázku" (später "Divadlo na provázku") und
"HaDivadlo" zu einem Refugium unangepaßter Kunst und einer raffiniert getarnten Kritik am Totalitarismus und festigten Brünns Ruf als moderne Theaterstadt. Hier wird bis heute jener in die Zwischenkriegszeit zurückgehende avantgardistische und weltoffene Geist gepflegt, für den beispielswiese der 1976 aus seiner Heimatstadt nach Kunštát emigrierte Ludvík Kundera, 1946 Mitbegründer der Surrealistengruppe
"Ra", steht.
Aus dem bisher Gesagten geht hervor, dass die in vielen Köpfen verankerte, in die Monarchie zurückweisende Klischeevorstellung von Brünn als einem "mährischen Manchester" oder "Vorort Wiens" überholt ist, und dass es dem Anspruch einer autonomen Kultur- und Literaturmetropole gerecht wird.
(...) In der Zukunft dürften dann das gesamte Spektrum der jüngeren Brünner Literatur und die Präsentation von Verlagen wie "Atlantis", "Host", "Petrov", Vetrné mlýny" (Heimstatt auch für die Stücke Jelineks, Schwabs, Turrinis, Taboris) nicht fehlen, wie auch der Literaturzeitschrift
"Host" (Chefredakteur: Miroslav Balaštík) und von Aktionen, wie es der von Trefulka initiierte Wettbewerb "Evropský fejeton" (Europäisches Feuilleton) ist.
(...) Unübersehbar sind in der Brünner Literatur die Lust zum Experiment zusammen mit einem wachen historischen Bewußtsein und der Sensibilität für Probleme der Gegenwart, wie sie auch Roman Sikora mit seinem Wunsch nach Theater, das Stellung bezieht, beweist. Es ist eine Literatur, und eine Kulturgemeinde, die - bis hin zu den Nachkriegsereignissen - auch unbequemen Themen nicht ausweicht und sie verbalisiert, letztendlich auch eine Literatur, die die Erfahrungen unseres gemeinsamen Lebensraumes wiedergibt, wie es in einem auf den Unterschied zu maritimen Völkern Bezug nehmenden Feuilleton von Jan Trefulka aus der jüngeren Zeit deutlich wird: "Glücklich die Menschen, die ihre Energie und ihren Verstand im Kampf mit den Elementen, bei Expansionsbestrebungen nach Übersee, in Wettkämpfen um Kontinente entwickeln konnten. Für einen Mitteleuropäer war das eine vollkommen fremde Welt... Sein Feind war immer mehr der konkrete Mensch als das Fatum, nicht die Elemente bedrohten ihn, sondern der Neid der Nachbarn, der Hochmut des Adels und die Unmenschlichkeit der Bürokratie."
(Christa Rothmeier, Sgraffiti der Geschichte. Lichtungen 87)
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| In Kooperation mit
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| Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas
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transLOKAL - Literatur aus europäischen Städten
Kulturamt der Stadt Graz
Cultural City Network
Literaturzeitschrift Lichtungen
Urania
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Einführung:
Christa Rothmeier
Lesung:
Vera Rosí, Jirí Kratochvil
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Vera Rosí
Geboren 1976 in Brünn. Studium der Bohemistik und Germanistik an der Brünner Masaryk-Universität. Seit 1998 Veröffentlichung von Rezensionen, Studien und Lyrik in literarischen Zeitschriften (Host, TVAR, Proglas, u.a.). Für ihr Debüt
Holý bílý kmen (Ein nackter weißer Stamm), Verlag Weles/Host, Brünn 1999 wurde sie mit dem
"Jirí-Orten-Preis" ausgezeichnet.
Jirí Kratochvil
Geboren 1940 in Brünn. Prosaiker, Dramatiker,
herausragendster Vertreter der Postmoderne in Tschechien. In den sechziger Jahren Studium der Bohemistik und Russistik in Brünn, erste Veröffentlichungen. Nach 1968 gezwungen, manuell zu arbeiten, Publikationsverbot, Werke vor 1989 im Samisdat. Seit 1989 vom Brünner Verlag "Atlantis" verlegt. Wurde für sein Oevre (sieben Romane, drei Bände Kurzgeschichten, Theaterstücke, Hörspiele, Essays) mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Auf Deutsch sind bislang zwei Romane erschienen:
Inmitten der Nacht Gesang, Die unsterbliche Geschichte, Berlin 1996 und 2000. Das Stück
Und Großmutter feiert ihren neunundneunzigsten Geburtstag wurde 1999 am Stadttheater Brünn uraufgeführt. |
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