Fr.
23. 11.
20.00 UhrEintritt:
ATS 150,-/100,-
Veranstalter
Kulturzentrum bei den Minoriten,
Cultural City Network und
szene instrumental
Programm Lyrisches
Duett:
Komposition R. Nuic Lesung:
B. Balàka,
D. Tomasevic Der Schrei:
Komposition R. Nuic Gespräch der beteiligten Künstlerinnen Lyrisches
Duett: Komposition R. Nuic Musikalische Umsetzung
szene instrumental
Leitung: Wolfgang Hattinger
Cantus
Künstlerische Leitung:
Franz Herzog |
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Überlebensstrategien
weiblich
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Anstoß zu diesem Projekt gab eine irritierende Komposition. Jene nämlich von Rada Nuic, die unter dem Eindruck entsetzlichster Kriegserlebnisse komponiert wurde und ein für den zeitgenössischen Musikkontext unheimlich schönes Stück darstellt. Ist halt so, man hätte achselzuckend die Partitur unter Kuriosa ablegen können. Das Irritierende aber, die Spannung zwischen Entstehungskontext und Ästhetik, hat sich gegen ein Weglegen gewehrt und das Projekt Überlebensstrategien weiblich initiiert.
Zwei Literatinnen, die Österreicherin Bettina Balàka und die Bosnierin Dragana Tomas¸evi´c haben wir eingeladen, literarische Texte zum Thema zu verfassen, ohne die Komposition Rada Nui´cs zu kennen. Bettina Balàka hat sich mit Essays wie Messer als scharfe Analytikerin des Zeitgeistes einen Namen gemacht, Dragana Tomas¸evi´c war wie Rada Nui´c unmittelbar mit den Kriegsgräueln in Sarajewo konfrontiert, bevor sie emigrierte.
Der musikalische Teil macht die Imagination des Heilen, Schönen, Ganzen - eine spezifische Form von Kunstproduktion - als Überlebensstrategie hörbar, Rada Nui´c besteht gleichsam auf das Lyrische noch im Schrei. Den Literatinnen bleiben die ästhetischen Ansätze und Verfahrensweisen völlig freigestellt. Ein live geführtes Gespräch zwischen den Künstlerinnen, das die Entstehungsbedingungen reflektiert, bündelt die ästhetischen Ansätze.
Jede der Künstlerinnen arbeitet für sich, ohne Bezug zur jeweils anderen, die Engführung der Arbeiten erfolgt erst am Abend der Präsentation. Eine konzeptionelle Entscheidung nicht ohne Risiko, eine Entscheidung, die der Aleatorik gebührend Referenz erweist. Wird es Parallelen - seien es strukturelle oder inhaltliche - geben? Werden die Diskrepanzen überwiegen? Werden die Teile disparat bleiben oder gelingt eine Annäherung? Kann sich aus der Annäherung Nähe entwickeln oder bewahren die Arbeiten uneinlösbar den Abstand? Antworten wird erst die Realisierung bringen, eine Tatsache, die dem Projekt Spannung verleiht und zugleich sein Risiko umschreibt.
(Birgit Pölzl)
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Bettina Balàka
Geboren am 27. März 1966 in Salzburg
Studium: Übersetzer- und Dolmetscherausbildung (Englisch/Italienisch), lebt mit ihrer Tochter als freie Schriftstellerin in Wien.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Unter Jägern. Erzählungen. Literaturverlag Droschl, Graz, Erscheinungstermin Herbst 2002.
Dissoziationen. Gedichte aus Pflanzen und Vögeln. Resistenz Verlag, Wien - Linz,
Erscheinungstermin 2002.
Im Packeis. Gedichte. Deuticke Verlag, Wien 2001.
Messer. Essay. Literaturverlag Droschl, Graz 2000.
Der langangehaltene Atem. Roman. Literaturverlag Droschl, Graz 2000.
Dragana Tomasevic
Geboren 1958 in Zenica, studierte Philosophie, Soziologie und Vergleichende Literaturwissenschaft in Sarajevo und arbeitete an der Bosnischen Akademie der Künste und Wissenschaften,
ab April 1992 als Sozialarbeiterin und bei der Kinderhilfsorganisation "Naša djeca".
Seit Mai 1993 lebt sie in Österreich im Exil.
Sie veröffentlichte Artikel und Aufsätze zu Philosophie und Literatur und schreibt seit dem Weggang aus Sarajevo für Exilzeitschriften wie "Eurobosna" und "Juki´c ", aber auch für
die "Zeit" und "Literatur und Kritik".
Bei Droschl erschien 1995 der Band "Briefe nach Sarajevo".
Rada Nuic
Geboren in Tuzla; lebt in Sarajewo. Studium und Abschluss an der Musikakademie in Sarajewo, arbeitet im Bosnien &
Herzegowina-Rundfunk als Redakteurin für ernste Musik, komponiert für Radiohörspiele, Theater, Film und
kammermusikalische Besetzungen und Orchester. 1987 wurde im Volkstheater von Sarajevo zu ihrer Musik ein Ballett inszeniert, als Komponistin vertrat sie auf zahlreichen internationalen Radio- und Fernsehfestivals das ehemalige Jugoslawien. 1999 lebte sie als Stipendiatin im Rahmen der
"Poetik der Grenze" zwei Monate in Graz.
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