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Gerhard Rühm wurde zuerst durch
Buchveröffentlichungen experimenteller Poesie bekannt. Seine von der Sprache, vom
strengen Konzept, aber auch vom spontanen Ausdruck bestimmte Arbeit hat ihre Schwerpunkte
ebenso im akustischen wie im visuellen Bereich: Bewegt sie sich da zwischen Sprechtext,
Hörspiel und Musik, führt sie hier von der Handschrift zur skripturalen und zur
gestischen Zeichnung. Für die Ausstellung bei den Minoriten entsteht eine neue Serie
großformatiger Zeichnungen: das Körperalphabet. Sind die Korridore im weitesten Sinn der
Körperzeichnung gewidmet (Körperalphabet, Melogramme und erotische Scherenschnitte), so
zeigen die beiden Ausstellungsräume die Schwerpunkte VISUELLE POESIE und VISUELLE MUSIK.
VISUELLE POESIE
Neben einer Auswahl aus den Werkblöcken der Schreibmaschinenideogramme und der
Gruselbilder bieten zwei Videostationen die Möglichkeit sich in Rühms filmische Arbeiten
zu vertiefen.
"die visuelle poesie bezeichnet einen markanten schwerpunkt meiner künstlerischen
arbeit. ausgehend vom schreibmaschinenideogramm der konkreten poesie habe ich ab 1954 im
lauf der jahre eine reihe charakteristischer ausdrucksbereiche entwickelt, die sich
verschiedene künstlerische techniken nutzbar machen.
(...) sprache äussert sich mittels akustischer zeichen (laute) oder mittels optischer
zeichen (schrift). sie bedient sich also zweier voneinander völlig verschiedener medien.
diese zeichen müssen nicht bloss mittel zum zweck (einer bestimmten mitteilung) sein,
sondern können selbst als ausdrucksmittel gesetzt werden.
schreibmaschinenideogramme - wer sich über die eigentümlichkeiten der schreibmaschine
schon gedanken gemacht und der entwicklung der visuellen poesie einige aufmerksamkeit
geschenkt hat, dem wird sicher, neben dem gesetzten und handschriftlichen textbild, das
schreibmaschinengedicht oder -ideogramm als eine spezifische variante visueller poesie
nicht unbekannt sein. das
funktionelle schreibmaschinengedicht erwächst aus den besonderen
gegebenheiten und möglichkeiten der schreibmaschine. (...) die bewusste berücksichtigung
solcher möglichkeiten wirkt zwangsläufig auf die konzeption eines textes zurück,
provoziert neue formerfindungen. so kann man durchaus von einer 'poetik der
schreibmaschine' sprechen.
(...) die gruselgeschichten zeigen eine spezifische ausformung jener gruppe meiner
bildnerischen arbeiten, die ich als lesebilder bezeichne. (...) um gruselgefühle zu
empfinden, bedarf es keineswegs der konfrontation mit schreck-lichen geschehnissen oder
des unheimlichen als ausnahmesituation, sie kön-nen sich durchaus auch in der
fassungslosigkeit über die alltäglichen triumphe des trivialen und der dreisten dummheit
manifestieren. längst braucht man nicht mehr, wie seinerzeit die brüder grimm
erzählten, ausziehen, um das gruseln zu lernen - heutzutage wird es einem dank der
allgegenwärtigen massenmedien direkt ins haus geliefert."
gerhard rühm |
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