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Di.25.9.
20.00 Uhr
ATS 90.-/50.-
Kleiner Minoritensaal
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Helwig
Brunner
Aufzug
oder Treppe. Gedichte zum Tao te king
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"Die rätselvolle
Silbe Tao ist neuerdings in die Kitschzone geraten, und wer sich
auch künftig zu ihrem hellen Zauber bekennen will, muss mit dem
Verdacht leben, er wolle einstimmen in den Chor, der die neureligiösen
Totalitätscouplets absingt." Mit einem Seitenblick auf den
Philosophen Peter Sloterdijk, von dem dieser Satz stammt, setzt
sich das hier vorgestellte Schreibprojekt solchen Verdächtigungen
gerne aus.
Der Lyrikzyklus "Aufzug oder Treppe" versucht die
Brechung alter fernöstlicher Sinnbilder in der Linse einer
kontemporären, westlichen Gedichtsprache. Die persönliche
Vorgeschichte dieses Unterfangens reicht mehr als ein Jahrzehnt
zurück und war, neben ersten Leseversuchen im Tao te king, zunächst
durch die Beschäftigung mit japanischen Gedichtformen geprägt,
deren Kürze und Bindung an bestimmte syllabische Schemata den
Schreibfluss an einen genau gezogenen Rand des Stillstands bringt.
Auch daran anschließende Gedichte der letzten Jahre lassen sich
als kinetische Studien lesen; sie gehen mit Einübungen ins
Paradoxe einher, die dem westlichen Gedicht wie dem östlichen
Gedanken gleichermaßen entgegenkommen. Das Gedicht klinkt sich
aus der heroisierenden Rasanz einer schonungslos mobilisierten
Moderne westlichen Zuschnitts aus und betritt, scheinbar stolpernd
über die selbst gespannten Fallschnüre des Paradoxen, den
ruhenden Augenblick. "Beredsamkeit erscheint wie
Stammeln", heißt es dazu im Tao te king.
Die formal ungebundenen, gedanklich strengen Gedichte des Zyklus
werden durch formal strenge, gedanklich ungezügelte Anagramme
konterkariert. Letztere, hier ihrer Etymologie entsprechend als
"Aufzeichnungen" betitelt, nehmen jeweils von einer
Originalzeile des Tao te king ihren Ausgang und permutieren deren
Buchstabenmaterial. Sie dienen als "Lockerungsübungen"
zur methodischen Defokussierung eines allzu analytisch
festgelegten, natur- und geschichtswissenschaftlich korrumpierten
Blicks.
(Helwig Brunner)
DIE GESCHICHTE
vom Blitz ist rasch erzählt:
der Blitz erzählt sich rasch
dem Himmel, dem Baum.
Das Haus allein rettet der
Geschichtenableiter.
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Helwig Brunner
*1967 in Istanbul, lebt in Graz,
abgeschlossene Studien der Musik und Biologie,
seit 1994 selbstständige Berufstätigkeit als Geschäftsführer eines Technischen Büros für Biologie in Graz,
Lehraufträge am Institut für Zoologie
der Karl Franzens-Universität Graz.
Literarische Tätigkeit:
schreibt vor allem Lyrik, daneben Kurzprosa, Essays, Rezensionen sowie fach- und populärwissenschaftliche Texte.
Veröffentlichungen:
- "Gelebter Granit" (Haiku, Senryu, Tanka), Graphikum Verlag, Göttingen 1991
- "Auf der Zunge das Fremde" (Gedichte), Leykam Verlag, Graz 1996
- ein weiterer Gedichtband erscheint im Frühjahr 2002 bei der Steirischen
Verlagsgesellschaft, Graz;
seit 1988 Beiträge in Literaturzeitschriften
("Lichtungen", "manuskripte", "schreibkraft" u. a.), in Anthologien, im Rundfunk und im Internet
seit 2000 Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift "Lichtungen". |
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