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"Christus
vincit, Christus regnat, Christus, Christus imperat." Die
bekannte Hymne ("Christus Sieger, Christus König, Christus
Herr in Ewigkeit") hört man derzeit in einem der
Galerieräume im Priesterseminar in der Minoriten-Ausstellung zum
steirischen Herbst: Zugegeben, nicht für dieses Haus, aber für
diesen Anlass ist dies höchst merkwürdig. Zu sehen ist in diesem
Raum nichts als ein erhöhter Boden, auf dem durchgehend Papier
geklebt ist – der Grundriss von Honetschlägers Wohnung in Rom.
Auf diesem Boden hat der Künstler, mittlerweile international
viel beachtet, eine Zeit lang gelebt, man erkennt stärkere und
schwächere Abdrücke, Spuren einiger kleiner
"Unfälle", wie etwa verschütteten Rotwein. Die Stimmen
hat Honetschläger am Ostersonntag am Petersplatz aufgenommen,
fasziniert vom Anspruch der katholischen Kirche, die er nun für
seine Kunst verwendet. Die Hymne – die gleichzeitig die Melodie
von Radio Vatikan ist - war freilich in jenen Tagen ein wenig ins
Gerede gekommen, weil die Sendefrequenzen vor den Hügeln des
Vatikans so stark waren, dass die umliegenden Häuser die Melodie
aus ihren Kühlschränken hörten, als sie jene aufmachten...
Natürlich, es ist viel Augenzwinkern dabei, wenn Honetschläger
die eigene Kultur und Religion mit dem fremden Blick zeigt, aber
er tut dies stets hintergründig. Denn bereits im nächsten
Ausstellungsraum, wo wieder ein erhöhter Boden mit Papierbahnen
zu sehen ist – diesmal ist es die Wohnung des Künstlers in
Tokyo – hört man die Fistelstimme des japanischen Kaisers aus
dem Jahre 1946, der erstmals für seine Untertanen zu hören war
– bis dahin sprach er niemals zum Volke! – und da vernahm
jenes, dass er von nun an kein Gott mehr sei. Auf einem
Schlag mussten die Japaner die "Entgottung" ihres
Höchsten zur Kenntnis nehmen, ein Göttersturz also aus des
Gottes Mund. Dabei sei es, so Honetschläger, gar nicht wahr, dass
dies der Kaiser gesagt habe, die Amerikaner hätten dies lediglich
behauptet als Preis für den verlorenen Krieg. Die Stimme freilich
ist von einem Schauspieler imitiert.
Dies ist also die Vorbereitung auf
den Brennpunkt der Ausstellung, wo die Videotrilogie "Colors"
unter der "Trade-Mark" der Jesuiten (IHS) im ehem.
Kapellenraum, zu sehen ist. Sie erschließt sich als der fremde
Blick auf auf dasjenige, was man nicht mit der Muttermilch
aufgesogen hat. Im ersten Teil wird in der "Geschichte der
Schokolade" Jesuitenmission und schweizerische Identität so
gewitzt ineinander verschachtelt, dass es eine Geschichte über
die "süße Sünde", ein einstmaliges
"Herrschaftswissen" (als Droge für die Missionare) bis
hin zu einem weitverbreiteten Genussmittel wird. Im zweiten Teil
("Masaccio") diskutieren vor den berühmten Fresken aus
der Frührenaissance in der Brancacci-Kapelle in Florenz ein
japanischer Professor für deutsche Literatur mit einer jungen
Japanerin über das Christentum, über die westliche Kultur, über
die beginnende Perspektive in der westlichen Bildwelt, und – vor
dem Fresko der vertriebenen Ureltern Adam und Eva aus dem Paradies
–was denn eigentlich "Sünde" sei: Und wieder wird die
ganze Schwere kultureller Verschiedenheit durch so witzige Szenen
kontrastiert, die einem erst im Lachen die Tiefe der Bedeutung
aufgehen lässt: Kennzeichen wirklich guten Humors.
Diese "augenzwinkernd-subtile
Archäologie eurozentristischer Dogmen" (E.H.) findet ihren
Abschluss im dritten Teil des Films, genannt "in times of
emergency": Collagenhaft zusammengesetzte Szenen aus
Archivmaterial und realen Gesprächssituationen thematisieren die
Bedrohung und gleichzeitig die unterschiedlichen Vorstellungen von
Paradies und Liebe. Feuerwehrmänner versuchen mit veraltetem
Material eine vergebliche Löschaktion, während über die ganze
Bilderfolge die betörende Stimme der Maria Callas erklingt, die
ergreifend von Liebe singt. Ohne dass es die Darsteller wussten,
schnitt der Künstler ein Gespräch über deren Vorstellungen von
Paradies, Sex und Liebe mit. Existentielle Themen des Menschseins,
verbunden mit unterschiedlichen Antworten aus den verschiedenen
Religionen und Kulturen. In der Zusammenschau geht es bei allem
Augenzwinkern in dieser Kunst, die letztlich die Globalisierung
zum Thema hat, immer auch um den Appell für Toleranz. Dieser ist
gerichtet an kulturelle und religiöse Verschiedenheiten, aber
auch an all jene politischen Theologien, die Religionen
verbreiten, ob bei CNN wie in den letzten Wochen oder anderswo.
Deshalb geht uns diese Ausstellung alle an, und sie ist aufgrund
der jüngsten Ereignisse in der Welt von einer Aktualität, die
niemand je auch nur geahnt hat.
(Johannes Rauchenberger)
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