Herbst in Graz, willkommen ins Kulturzentrum
bei den Minoriten! Der steirische herbst hat heuer einen besonderen Stellenwert in unserem
Programm, die herbst-Ausstellung von Gerhard Rühm, dem "Urheber"
experimenteller Poesie, ist in den Räumen der Minoriten-Galerien zu Gast. Ein für diese
Räume angefertigtes "Körperalphabet" entlang des ehemaligen Klosterganges
steht in leibhaftiger Sprachlichkeit neben den Räumen zur "Visuellen Poesie"
und "Visuellen Musik". Das Kabinetttheater Wien wird in der not.tour.no die
"Goldene Hochzeit" von Gerhard Rühm zur Uraufführung bringen.
Die Minoriten-Ausstellung zum steirisc[:her:]bst findet im Priesterseminar statt: Edgar
Honetschläger, international vielbeachteter Künstler und Filmemacher, reagiert in seiner
ersten Ausstellung in Graz auf den ehem. Kapellenraum im Priesterseminar mit dem letzten
Teil seiner Videotrilogie "Colors". War es im letzten Film "Masaccio"
die Brancacci-Kapelle, die die Betrachtung des Eigenen durch den fremden Blick erfuhr,
sind es nun in "In times of emergency" Feuerwehrmänner aus seiner Wahlheimat
Japan, die umsungen von Maria Callas durch die Bilder purzeln; dazu räsonieren Menschen
aus verschiedenen Kulturen über die unterschiedlichen Vorstellungen von Paradies und
Liebe. (Ein schöner Vorgeschmack übrigens auf "Himmelschwer", dem Projekt der
"Minoriten" für "Graz 2003"). Edelbert Köb, den neuen Direktor des
MUMOK/ Wien, dürfen wir in der not.tour.no als speziellen Gast im Gespräch mit Edgar
Honetschläger begrüßen.
Schon Ende September wird der Australier Joe Felber im Stiegenaufgang zum Minoritensaal
mit einer Installation und Tanzperformance zu den Schriften zur Kunst von Ad Reinhardt
über Verneinung, Negativität und Transzendenz anregen.
Religion hat in der Gestalt des ISLAMs einen Schwerpunkt im Programm. Abu Zaid, der
berühmte Reform-Moslem im Exil wird u.a. Redner beim Islam- symposium am 21. September
sein. Über Euthanasie diskutieren unter der Moderation von Peter Huemer in der
"Brennpunkt"-Reihe Heide Schmidt und der Moraltheologe Günter Virt.
Highlight im heurigen Musikprogramm ist nicht nur das (nachgeholte) Schönberg-Konzert,
sondern die Oper von Anestis Logothetis "DAIDALIA oder das Leben als Theorie".
(Für Schulen gibt es auch eine Vormittagsvorstellung!)
Die Vermittlung von literarischen Strömungen auf der Höhe der Zeit (neue Formen der
Narration, neue Formen der Spracharbeit, literarische Auseinander-setzung mit Oralität,
etc.), die Förderung junger Talente, die Konzeption und Realisierung von multimedialen
Projekten, die Literatur mit anderen Kunstformen vernetzt, sind zentrale Anliegen, also
Herz- und Hirnsache der Minoriten-Literatur-Schiene im Herbst.
Und last but not least geht das Theater bei den Minoriten völlig neue Wege: Durch
Konzentration auf Theaterfeste für Kinder werden Eigenproduktionen und hochkarätige
Einladungen gemischt, die Kinder legen selbst Hand an und werden schließlich Regisseure
im neuen Kinderkulturblatt. Der Start ist am 28. September.
Wir freuen uns, Sie bei den Minoriten zu treffen. Wir danken aber auch ganz einfach für
die Sympathie, die Sie so zahlreich unserer Arbeit entgegenbringen.
(Johannes Rauchenberger)