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Christian Uetz
Christian Uetz

geboren 1963 in Egnach in der Schweiz; studierte Philosophie, Komparatistik und Altgriechisch, lebt u.a. in Romanshorn am Bodensee.
Häufige Auftritte bei Literaturveranstaltungen und Festivals für experimentelle Poesie und spoken poetry, in  New York, Berlin und beim Lyrikfestival in Medellin. Im Rahmen des Ingeborg Bachmann-Wettbewerbs 1999 wurde ihm der 3sat-Preis zuerkannt.

Veröffentlichungen:
die Lyrikbände Luren, 1993, Reeden,1994,
beide im Verlag im Waldgut

Nichte, Droschl 1998;
der Prosaband Zoom Nicht, Droschl 1999;
und die CD Nichte und andere Gedichte,gesprochen von Ch. Uetz,1999.

Gedichte ereignen sich nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf der Zunge, Gedichte sind Sprachkörper, die mit Lippen, Gaumen, Zunge und Zähnen gekostet, umspielt, bearbeitet werden müssen. Die Lyrik von Christian Uetz trägt diesem "oralen" Charakter von Gedichten Rechnung - nicht nur im Vortrag - Uetz ist eine herausragende Erscheinung in der internationalen spoken poetry-Szene -, sondern auch im Wortmaterial selbst: Da hallen Silben nach, verdop-peln sich Klänge, verschieben sich Laute, da erzeugt ein Lautkomplex einen Versprecher, da erscheinen "Verschreiber", sprießen um einige Buchstaben zuviel aus dem ohnehin schon verwandelten Wort: "ein Klanggewitter, ein Weltgewieher, ein Allgehall".
Diese Polyphonie ist auch eine des Sinns; es verschieben sich nicht nur Klänge, mit ihnen verschieben sich auch untrennbar die Bedeutungen. Uetz führt virtuos vor, wie nicht nur ein Gedicht zu Nicht wird, er zeigt auch das Gegenteil: wie Dichtung entsteht, die umso komplexer wird, je un-ein-deutiger sie ist.

In seinem dreiteiligen Prosatext "Zoom Nicht" entfaltet Uetz aus Sätzen mit Zwei-, Drei- und Mehrfachsinn eine fesselnde Gegenwelt aus Sprache. Der Sprachakrobat und Berserker tanzt an den Rändern der Sprache. Und dieser Tanz an den Rändern ist immer auch ein "Veitstanz über den Abgründen der Existenz" (NZZ).

"Uetz bearbeitet ziemlich drastisch den deutschen Sprachschatz. Seine Gedichte taumeln, stolpern durch und über die Worte. Die Silben werden lautmalerisch gesperrt, ihre Fugen mit Buchstaben verdichtet, bis sie zu bersten drohen oder sich die Worte in eine neue Bedeutung, in eine andere 'Tolldtallität' entladen." (Berliner Zeitung)

"Im Wort hat ihr Nicht Sein; in Worten, welche immer abscheiden, im Wort Abgeschiedenheit, welches die Abgeschiedenheit schon als Wort nicht ist, hat ihr Nicht Sein. Hier ist die Klemme, in der Klange, welche eine Furt nicht ist hinüber, hier möchte sie ins Dort nicht kommen, ins Dort nicht gehen, ins Dort hin, ins Dorf dort, dort ins Schloss, dort ins Wort, ins Nicht dort, welches nicht 
drecksistiert. Am neckigsten ist jelingks, dass die reckische Freud der Sexistenz sie auflöst schon wieder. Sie stönt sie, sie stösst sie nicht aus. Sie verstört sie verarschhundswürdig nicht zum Wort, zum Loch nicht, zu nicht. Wenn es sie nicht erdrosselt, wächst es ihr nicht zu (fellig), wellt sie ihm nicht zu (fällig). Welcher Krater würde, wenn sie ihn um Mort bittet, Brot geben? Und wenn um Wort, Sein? Es trierft im Horort selbst. Im worthortlichen Bezucken. Je steiniger sie es nicht aushält, desto schreiernder hält sie es nicht aus." 
(Christian Uetz, Zoom Nicht.)

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