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Die Bildwelt von
Werner Hofmeister hat sich in den jüngsten Arbeiten wesentlich erweitert, auch wenn es
nur um den einen Buchstaben Q geht. Der große Reduktionist, der sich jahrelang nur mit
dem einen signifikanten Buch der ös-
terreichischen Konsumgesellschaft der 70er, 80er Jahre beschäftigte, dem
"Quellekatalog", dreht den Spieß von der sanften Ironie in einen metaphysischen
Ernst um. Die Suche nach der Quelle, nicht nur als alpenländische Übung in klarer Luft
in den Kärntner Bergen, wird im Bedienungsladen der Kulturgeschichte von der Ikone über
Giottos Fresken bis zu Andy Warhol fortgesetzt. Das kommt natürlich einer unendlichen
Horizonterweiterung gegen-über dem "Quelle"-Katalog gleich. Die Suche nach dem
großen Q ist zur faustischen Frage geworden. Und man ist erstaunt, in so wesentlichen
Bildern einen immer gleichen, quellenden Code zu entdecken: im Muttermal, dem Vogelflug,
den großen Bildern des Abendlandes, den Kirchenvätern der Moderne, wie Duchamp, Warhol
und Beuys. Eine kühne Aneignung. Feine Fälschungen zur Neusicht von Geschichte. Ob durch
den Computer oder das Zutun des Querbalkens ist gleich. Drei Mal das "Vorwort":
das Mal am Körper und der Flug der Fledermäuse und Vögel als Q, der Traum Joachims, der
Vorhang zur Menschwerdung, die Weisheit in Giottos Arenakapelle als Q. Die Gabe der Drei
Könige als Q. Körper, Natur und Offenbarung: eine Trias für den großen Quellcode, in
dem sich hier dieser Anspruch der Quellensuche bewegt, denkbar weit entfernt vom Katalog
der Quelle. Die beiden "Komplizen"-Gruppen, die wirklichen und die
vermeintlichen Ikonen, sind da nur konsequent anzurufen. Die Gloriole in den Ikonen wird
zum Q vor allem dadurch, dass Hofmeister die Gesichter verdeckt: durch Rechtecke, die
natürlich das Gesicht zum Buch machen. Das Bestechende der alten Ikonen und ihr Glanz des
Goldgrundes treten im Aufdecken zurück hinter die Suche nach dem Urgrund im Q, dem
fehlenden Gesicht und dem sich zeigenden Buch. Die modernen "Komplizen",
Duchamp, Beuys und Warhol, die allesamt im Bereich des Ur- und Unsinns tümpelten, steuern
der Suche nach dem großen Q zeitgenössische Zeichen bei. Dass ausgerechnet Duchamp die
Hand liefert, die Hofmeister auch zum Signet seiner Kunst, aus dem Quelle-Logo entnommen,
macht, ist nebenbei eine feine Ironie auch für den berühmten Dadaisten selbst. Denn die
Symbolik der Hand ist bekanntlich das alte Symbol Gottes. Und dass Werner Hofmeister diese
Quelle-Hand noch einmal mit einem Wundmal versehen hat, stört die Logo- und
Werbeästhetik empfindlich auf. "BEDENK", eine Transportfirma ebenso wie der
dritte und kürzeste Abschnitt von Hofmeisters Buch, ist eine ähnliche Interruption
zwischen der Marylin Monroe und ihrer Warhol'schen Gloriole und dem Rest der
reduktionistischen Sprache des Aschermittwochs. Es ist das einzige Bild von Hofmeisters
Quellensuche, das kein Q braucht: Der BEDENK-LKW fährt den Kreisverkehr und
"bedenkt" offensichtlich den großen Q selbst. Bleibt noch das letzte Kapitel:
SOWIE, mit den Ballonfahrern, dem Sumoringer, dem Prinz of Wales, dem Stier-Signet, dem
Zigarettenraucher: Sie alle haben eine Q-Gestik oder etwas in der Hand, die ihre
Körpersprache zum großen Q werden lassen. Und eines unterscheidet diese Bilder von den
vorigen Kapiteln ebenso: Sie sind mit dem Hofmann'schen Quelle-Wundmal-Doppel Signet
(Gespiegeltes Zeichen, 1994) versehen. Es suggeriert die uns in allen Dingen und Gebärden
umgebenden Suche nach dem großen Q. Und wir beginnen die Quer-Balken in unserer Umgebung
und in unserem Körper selbst zu sehen.
(Johannes Rauchenberger) |