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Donna Leon in Graz?
 



"Das Grazer Feuilletonmagazin schreibkraft ist der Idealfall einer Literatur- zeitschrift", hielt die "Südtiroler Tageszeitung" vor wenigen Monaten fest. In den zwei Jahren ihres Bestehens hat sich die halbjährlich erscheinende Zeitschrift schreibkraft mit themengebundenen Essays und Feuilletons, mit Rezensionen und literarischen Texten von AutorInnen wie Franzobel, Margret Kreidl und Birgit Pölzl als kräftige junge Stimme im literarischen Leben Österreichs etabliert. 
Am 6. Juni wird im Kulturzentrum bei den Minoriten Heft 6 der "schreibkraft" mit dem Titel "echt?" präsentiert. Sie werden eine Auswahl der erfrischenden Feuilletonbeiträge des Heftes zu hören bekommen. Den zweiten Teil des Abends bestreitet - als literarischer Sensationsgast der schreibkraft - Donna Leon!!! 
Nein, natürlich wird Donna Leon nicht bei der schreibkraft-Präsentation lesen, aber dafür konnten zwei nicht minder überzeugende Literatinnen gewonnen werden: Die Münchner Autorin und Journalistin Katja Schmid sowie die Wiener Autorin Karin Schöffauer. 
Die 1970 geborene Katja Schmid (Homepages: www.idealwelt.de und www.indiadelta.de) schrieb zuletzt in der "ZEIT" über Internet-Dialog-Automaten und überzeugte in der dtv-Anthologie "West-östliche Diven" mit der Heile-Welt-Travestie "Immun gegen Kirschbrause". Der Text ist ab Juni auch Online auf der Homepage der Deutschen Welle in der Rubrik "Vorgelesen" zu hören: www.dwelle.de/dpradio. Für die schreibkraft verfasst sie einen Text über künstliche Gesichter.
Karin Schöffauer, Jahrgang 1951, ist eine Stammautorin des Wiener Verlags "Das fröhliche Wohnzimmer". Über ihr letztes Buch "vorübergehend", schrieb Hannes Luxbacher in schreibkraft, Heft 2: "Karin Schöffauer gelingt in ihrem überaus lesenswerten Buch eine kleine Seltenheit. […] Sie vollzieht das interpunktionslose Driften als Übertragung eines zwar nicht unstrukturierten, aber doch randlosen Denkens in die verfestigte Form der Sprache konsequent und geglückt."

Und darum geht es in schreibkraft, Heft 6: "echt?"
Was ist tatsächlich echt? Ist eine industriell gefertigte Reproduktion des Dürerschen Hasen oder der Mona Lisa, wie man sie in jedem Einrichtungshaus, passend zur Wohnlandschaft in deutscher Eiche, erwerben kann, weniger Original als die nicht minder industriell hergestellten Werke von Dali oder Warhol? Warum werden Kopien von textilen Markenprodukten aus fernöstlicher Produktion mit scheelem Blick als billige Fälschungen abgetan, Kopien aus englischen Genlabors (Dolly) jedoch als Meilensteine der Forschung gefeiert? Warum wird das Abschreiben in der Schule nicht gern gesehen, während das Cut'n'Paste-Prinzip ein wesentliches Element der Kunst- und Musikproduktion der 90er geworden ist? Und: Warum ist ein Pissoir von Duchamp teurer als eines vom Baumarkt? - Antworten auf diese Fragen geben uns wie immer junge, frische Feuilletons von ebensolchen AutorInnen.
Daneben liefert schreibkraft in bewährter Anzahl und Qualität Besprechungen zur österreichischen Gegenwartsliteratur sowie ausgewählte Texte bekannter und unbekannterer LiteratInnen.
(Werner Schandor)

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