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Olga Flor
Nach Abschluss des Physikstudiums
Arbeit in den Bereichen Konzeption,
Design und Produktion multimedialer
Lernprogramme. 1997 bis 1999
längere Aufenthalte in Modena,
seit 1999 Anstellung an der FH Joanneum
im Zentrum für Multimediales Lernen.
Veröffentlichungen von Kurzgeschichten im ORF Steiermark, in den "Lichtungen" und in "11".
Seit Herbst 1998 Arbeit an "Erlkönig",
seit kurzem an einem dramatischen Text
"Die Renegaten" und weiter
en Erzählungen.
Die junge Grazer Autorin Olga Flor wird aus ihrem Romanmanuskript "Erlkönig" lesen.
Der Text ist in 64 Szenen gegliedert, die - und darin liegt eine der Stärken des Textes - auf der Bild- und Symbolebene virtuos verschränkt sind. Als ob man Bilder betrachtete, eins ums andere und deren Summe das Ganze ergäben, das selbstverständlich dann mehr ist als die Summe seiner Teile. "Frühling", "Im Park", "Herkunft", "Zuhause", die Szenen, selten länger als eine Seite, tragen Titel wie Tafelbilder aus einer Zeit, da die bürgerliche Welt noch in Ordnung war. Doch nichts stimmt, die Risse laufen quer, liegen bald offen. Die Eltern- generation ist angesichts der Brüchigkeit um Haltung bemüht, die Aufbau- generation ist geübt darin, keiner verliert sie, es sei, er kippt in den Wahnsinn, wie Karl-Adolf Maier-Meienstein, jene Figur, in der die Autorin zwischen Ironie und Anteilnahme oszillierend, die Werte bürgerlichen Unternehmertums bündelt. Die Jungen spüren die Absurdität, doch bleiben ihre Lebensentwürfe innerhalb des bloß Reaktiven, der Totalverweigerung und der Totalanpassung. Titus versucht sich in der Leichtigkeit, doch gerinnen ihm andauernd die Spiele; Elisabeth diszipliniert sich in den Erfolg hinein und brennt sich dafür die Gefühle aus. Immer wieder begegnen einander die beiden Repräsentanten diametral auseinanderliegender Entwürfe, um angesichts des eigenen Defizits, das der andere vor Augen führt, im Angezogen- und Abgestoßensein pattzustehen.

Zum Schluss hin werden die Ambivalenzen auktorial angeschärft: indem die versuchte Vergewaltigung der ersten Szene im Koitus der vorletzten Szene gespiegelt wird, bleibt die Ebene des persönlichen Gebrochenseins dominant gegenüber der Möglichkeit einer (inzestuös getönten) Liebe. Nebenbei führt der Koitus auf dem Küchenboden zu einem paranoiden Schub Karl-Adolfs und einem grandiosen Dialog: "Danach blieben sie eine Zeitlang liegen, zu erschöpft, um das weitere Leben anzugehen. Ich hätte nicht gedacht, sagte Titus schließlich, dass uns noch einmal ein Akt von derart revolutionärem Schrecken gelingen würde. Wenn das schon die Revolution ist, sagte Elisabeth, wie muss dann erst die Herrschaft sein". Der Tod, Elisabeth und Titus ersticken bei einem Autounfall, löst, wenn auch zynisch, die Ambivalenzen auf Figurenebene - auf einer allgemeineren allerdings werden sie in die Verlängerung geschickt.

Dass Olga Flors Roman nicht eine der üblichen Verfallsgeschichten ist, hat mit der Struktur des Textes zu tun: Sie hängt die in alle Richtungen verzahnten Szenen hin und führt den Blick ohne Umschweife ins Zentrum, in medias res - eine Direktheit, die kathartische Wirkung erzielt, weil sie auf Pathos völlig verzichtet und fein ironisch ist. Kathartisch auch, weil sie lakonisch bleibt, gerade dann, wenn sie poetisch verdichtet.

Birgit Pölzl
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