KULTURZENTRUM bei den MINORITEN   

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Mehr Schwarz-Ausstellung

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Prof. Hannes Schwarz
Geboren 1926 in Anger.
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Zeichnet und malt von Jugend an. 1939 bis 1944 Aufnahme in die NS-Ordensburg Sonthofen,
in der Schwarz intensiven ideologischen Indoktrinationen ausgesetzt ist, jedoch auf
musikalischem und bildnerischem Gebiet
besonders gefördert wird. 1944 bis 1945 Abitur in Sonthofen und Aufnahme an die Kunstakademie
in Stuttgart. Die Einberufung zum Kriegsdienst
verhindert den Beginn des Studiums. Der Krieg und der Zusammenbruch des NS-Staates lassen seine bisherige Weltanschauung zerbrechen.

1948 Wiederaufnahme der Maltätigkeit, freund-schaftlicher Kontakt zu Anton Kolig und der
Witwe Franz Marcs.
Mitglied der Sezession Graz, dann Gründungs-
mitglied des Forum Stadtpark Graz.
Er ergreift den Brotberuf eines Lehrers, um einen gesicherten Freiraum für sein künstlerisches Schaffen zu haben. Intensive geistige Auseinandersetzung mit den Philosophen des Existentialismus und der Frankfurter Schule.
Auch die Schriften von Schopenhauer, Kolakowski und Wittgenstein sind für das Weltbild des
Malers von Bedeutung.
Zahlreiche Preise und Ausstellungen im In- und Ausland u.a. Würdigungspreis des Landes Steiermark für Bildende Kunst.

Hannes Schwarz
Kritikerstimmen 1984-2000

 

 

(2000) Im Gegensatz zu den vorherrschenden Auffassungen der Frucht in der Bildenden Kunst - nämlich zum einen als Symbol, zum anderen als Spiegel des menschlichen Körpers - hat es immer eine weniger praktizierte, fast marginale Richtung gegeben. Ihr erstes und höchstes Beispiel ist vielleicht das Werk Francisco de Zurbarans, der es in seinen seltenen Stillleben verstand, den Früchten metaphysische Transzendenz zu verleihen. Die Strenge der Bildkomposition, die Entblößtheit, das völlige Fehlen jeglichen schmückenden Elements, jeglicher Künstlichkeit, der neutrale Hintergrund, das Bild gewordene Schweigen, die absolute Reinheit der Frucht verleihen diesen Werken eine einzigartige Aura: Die Früchte sind Emanationen des Geistes. Obwohl sie in ihrer Unbewegtheit klarer denn je erscheinen, sind sie mehr als leblose Materie. Diese Tradition besteht fort. In Österreich hat Hannes Schwarz eine Reihe von Arbeiten geschaffen, deren Thema die Frucht als innere Vision ist, als physische und intuitive Kondensierung eines Seelenzustandes.

Alfonso Colorado, "EI cuerpo y la fruta en el arte occidental:
la imaginación y los sentidos o los sentidos de la imaginación", Mexico City, Oktober 2000



(1999) "Ambivalent in der Bildsprache von Schwarz ist das Motiv der Mauer, das, wie er selbst betont, Vereinzelung, Ausgesetztheit, aber auch Begrenzung im geistigen Sinne bedeuten kann. Mit dieser Thematik verbunden sind die Darstellungen von winkelartigen Abdeckungen und Landschaftsvorhängen, in denen der Blick in die Weite verwehrt ist. Wie die Mauer ist das Phänomen der Verhüttung Sinnbild für die begrenzte Kapazität menschlichen Denkens. Übersetzt man Weite mit Wahrheit, wird offensichtlich, dass diese nie ganz erschaubar, letztlich unfassbar ist."

Bettina John-Willeke M.A., Galerie Lattemann, Mühltal - Trautheim, BRD


"Hannes Schwarz ist kein Apologet der Trauer, mit der man sich aus allen Zuständen rettet, in denen der Mensch seine eigene Menschlichkeit versäumt. Er malt nicht das Unsagbare, das Untröstliche, das Vergebliche, er malt keine Kassandra-Rufe und keine Ideologien, mit einem Wort nichts von allem, was im Grunde unmalerisch ist. Aber er wagt das Riskanteste, er malt das ‚Sein' als Lebensgefühl."

Richard Rubinig, aus Hannes Schwarz und der Mythos der Einsamkeit.


(1984) "Parmenidische Stille im Öffnen von Horizonten, die sich in Einschnitte niederbiegen, die wie absolute Ruhepunkte einer paradiesischen Landschaft wirken. Wartend noch auf das Getier und den Menschen, vor der Zerstörung. In der Zurücknahme des Einzelnen verbleibt die Linie der Trennung; nur schmerzlos und wie ohne Gedächtnis von Menschen. Licht und Schatten, die zuerst waren, bleiben auch zuletzt. Und Weite.
Wir wissen noch nicht, was die Zeichen, die sparsamen Spuren des Gesehenen, bedeuten. Sie ruhen in sich wie das Gestein, das innehält mit seiner jahrmillionenlangen Verwitterung. Ein Gedanke von Dauer, von Bleiben, von Überwundensein kommt auf. Spurlinien dessen, was war und sein wird, verlaufen sich."

Rudolf Haller, aus: Bild und Natur. Reflexionen zu den Landschaften von Hannes Schwarz, Graz, 1984


(1986) "Im Einfühlungsakt versenkt sich das betrachtende Seelen-Auge in die lichthältigen Sandwüsten, es schreibt sich ein in den Verputz der Male und Stelen, es verbirgt sich in Brüchen und Waldungen, es verlischt an der Mauer des Schweigens. Die romantische Aufhebung der irdischen Not im Sehnsuchtsvollen eines Jenseits des Auges bleibt immer im Sichtfeld, doch die Erlösung aktualisiert sich nicht, es artikuliert sich bloß ein Heilsrest, den wir seit dem 18. Jahrhundert mit der ästhetischen Kategorie des Erhabenen oder Sublimen in Zusammenhang bringen."

Helmut Draxler, aus: Begegnungen mit dem Absoluten, Graz, 1986


(1966-1973) Über die Gitterbilder: Das menschliche Leid, die Geschundenheit, die Folter, das in sich Beschlossene, Eingekerkerte, die Enge des Bewusstseins und der Erkenntnisfähigkeit verbinden sich mit der existentialistischen Vorstellung der Geworfenheit in das Nichts und werden zum Spiegel menschlicher Todesverfallenheit entwickelt. Auch in all diesen Gitter- oder Kerkerbildern finden wir keine Hinweise auf eine christliche Erlösungs- möglichkeit. Keine Hoffnung auf Gnade wird sichtbar gemacht, das tragische Leid wird gestaltet. Man muss sich davor hüten, die Bilder von Hannes Schwarz zu einschichtig zu lesen und zu interpretieren. Im Umgang mit dem Motiv der Gitterstäbe verwendet er dieses Motiv als unterschiedliches Sprachmittel, das mit differenzierten Inhalten gesehen und aufgeladen wird. Die Gitter- oder Kerkerstäbe sind nicht einfach eine Abbildung irgendwelcher Kerkergitter von Strafanstalten, hinter denen oder vor denen diese Leiber gezeigt werden, die einmal uns in diese Käfigsituation einbinden und die Bewusstseinsenge von uns selbst mitausdrücken. Andererseits sind wir von diesen Leibern als Leidensform durch die Gitter getrennt und letztlich können diese schwarzen oder andersfarbigen Streifen als Symbole der Getrenntheit der Einzelnen in ihrem Bewusstsein gelesen werden.

Wilfried Skreiner, Hannes Schwarz. Botschaften eines skeptischen Humanisten,
Verlag Galerie Welz, Salzburg 1994, S. 24