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(2000) Im Gegensatz zu den
vorherrschenden Auffassungen der Frucht in der Bildenden Kunst - nämlich zum einen als
Symbol, zum anderen als Spiegel des menschlichen Körpers - hat es immer eine weniger
praktizierte, fast marginale Richtung gegeben. Ihr erstes und höchstes Beispiel ist
vielleicht das Werk Francisco de Zurbarans, der es in seinen seltenen Stillleben verstand,
den Früchten metaphysische Transzendenz zu verleihen. Die Strenge der Bildkomposition,
die Entblößtheit, das völlige Fehlen jeglichen schmückenden Elements, jeglicher
Künstlichkeit, der neutrale Hintergrund, das Bild gewordene Schweigen, die absolute
Reinheit der Frucht verleihen diesen Werken eine einzigartige Aura: Die Früchte sind
Emanationen des Geistes. Obwohl sie in ihrer Unbewegtheit klarer denn je erscheinen, sind
sie mehr als leblose Materie. Diese Tradition besteht fort. In Österreich hat Hannes
Schwarz eine Reihe von Arbeiten geschaffen, deren Thema die Frucht als innere Vision ist,
als physische und intuitive Kondensierung eines Seelenzustandes.
Alfonso Colorado, "EI cuerpo y la fruta en el arte occidental:
la imaginación y los sentidos o los sentidos de la imaginación", Mexico City,
Oktober 2000
(1999) "Ambivalent in der Bildsprache von Schwarz ist das Motiv der Mauer, das, wie
er selbst betont, Vereinzelung, Ausgesetztheit, aber auch Begrenzung im geistigen Sinne
bedeuten kann. Mit dieser Thematik verbunden sind die Darstellungen von winkelartigen
Abdeckungen und Landschaftsvorhängen, in denen der Blick in die Weite verwehrt ist. Wie
die Mauer ist das Phänomen der Verhüttung Sinnbild für die begrenzte Kapazität
menschlichen Denkens. Übersetzt man Weite mit Wahrheit, wird offensichtlich, dass diese
nie ganz erschaubar, letztlich unfassbar ist."
Bettina John-Willeke M.A., Galerie Lattemann, Mühltal - Trautheim, BRD
"Hannes Schwarz ist kein Apologet der Trauer, mit der man sich aus allen Zuständen
rettet, in denen der Mensch seine eigene Menschlichkeit versäumt. Er malt nicht das
Unsagbare, das Untröstliche, das Vergebliche, er malt keine Kassandra-Rufe und keine
Ideologien, mit einem Wort nichts von allem, was im Grunde unmalerisch ist. Aber er wagt
das Riskanteste, er malt das Sein' als Lebensgefühl."
Richard Rubinig, aus Hannes Schwarz und der Mythos der Einsamkeit.
(1984) "Parmenidische Stille im Öffnen von Horizonten, die sich in Einschnitte
niederbiegen, die wie absolute Ruhepunkte einer paradiesischen Landschaft wirken. Wartend
noch auf das Getier und den Menschen, vor der Zerstörung. In der Zurücknahme des
Einzelnen verbleibt die Linie der Trennung; nur schmerzlos und wie ohne Gedächtnis von
Menschen. Licht und Schatten, die zuerst waren, bleiben auch zuletzt. Und Weite.
Wir wissen noch nicht, was die Zeichen, die sparsamen Spuren des Gesehenen, bedeuten. Sie
ruhen in sich wie das Gestein, das innehält mit seiner jahrmillionenlangen Verwitterung.
Ein Gedanke von Dauer, von Bleiben, von Überwundensein kommt auf. Spurlinien dessen, was
war und sein wird, verlaufen sich."
Rudolf Haller, aus: Bild und Natur. Reflexionen zu den Landschaften von Hannes
Schwarz, Graz, 1984
(1986) "Im Einfühlungsakt versenkt sich das betrachtende Seelen-Auge in die
lichthältigen Sandwüsten, es schreibt sich ein in den Verputz der Male und Stelen, es
verbirgt sich in Brüchen und Waldungen, es verlischt an der Mauer des Schweigens. Die
romantische Aufhebung der irdischen Not im Sehnsuchtsvollen eines Jenseits des Auges
bleibt immer im Sichtfeld, doch die Erlösung aktualisiert sich nicht, es artikuliert sich
bloß ein Heilsrest, den wir seit dem 18. Jahrhundert mit der ästhetischen Kategorie des
Erhabenen oder Sublimen in Zusammenhang bringen."
Helmut Draxler, aus: Begegnungen mit dem Absoluten, Graz, 1986
(1966-1973) Über die Gitterbilder: Das menschliche Leid, die Geschundenheit, die Folter,
das in sich Beschlossene, Eingekerkerte, die Enge des Bewusstseins und der
Erkenntnisfähigkeit verbinden sich mit der existentialistischen Vorstellung der
Geworfenheit in das Nichts und werden zum Spiegel menschlicher Todesverfallenheit
entwickelt. Auch in all diesen Gitter- oder Kerkerbildern finden wir keine Hinweise auf
eine christliche Erlösungs- möglichkeit. Keine Hoffnung auf Gnade wird sichtbar gemacht,
das tragische Leid wird gestaltet. Man muss sich davor hüten, die Bilder von Hannes
Schwarz zu einschichtig zu lesen und zu interpretieren. Im Umgang mit dem Motiv der
Gitterstäbe verwendet er dieses Motiv als unterschiedliches Sprachmittel, das mit
differenzierten Inhalten gesehen und aufgeladen wird. Die Gitter- oder Kerkerstäbe sind
nicht einfach eine Abbildung irgendwelcher Kerkergitter von Strafanstalten, hinter denen
oder vor denen diese Leiber gezeigt werden, die einmal uns in diese Käfigsituation
einbinden und die Bewusstseinsenge von uns selbst mitausdrücken. Andererseits sind wir
von diesen Leibern als Leidensform durch die Gitter getrennt und letztlich können diese
schwarzen oder andersfarbigen Streifen als Symbole der Getrenntheit der Einzelnen in ihrem
Bewusstsein gelesen werden.
Wilfried Skreiner, Hannes Schwarz. Botschaften eines skeptischen Humanisten,
Verlag Galerie Welz, Salzburg 1994, S. 24
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