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György Dalos |
"In jenem Jahr fiel der erste September auf
einen Dienstag. Der offizielle Schuljahresbeginn
sollte vormittags um elf Uhr zelebriert werden,
aber die Mitglieder des Chors und des Schul-
orchesters wurden bereits zu halb zehn in
den Kultursaal bestellt, um noch einmal den
Siegesmarsch aus dem Oratorium Judas Makkabäus von Händel sowie das Lied Moskauer
Nächte von Solowjew-Sedoj zu proben. Dr. Rezsö Paulik, der Gesanglehrer, wollte offenbar
sein Bestes zeigen.
Sein Eifer richtete sich auf István Ludasi, der per
Dekret des Stellvertretenden Ministers für Bildung der Volksrepublik Ungarn zum Direktor
des Gymnasiums 'Benedek Virág' ernannt worden war, beginnend mit dem Schuljahr
1959/60." Das
humanistische Knabengymnasium
Benedek Virág galt als eine Institution Edelrost.
Der Ankunft von Ludasi ging sein Ruf voraus:
Er sei ein fanatischer Kommunist, aber ein guter Organisator und fähiger Pädagoge, und
er sei
gekommen, um die Schule auf die richtige Linie
zu bringen.
(György Dalos: Der Gottsucher.)
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Der Schriftsteller György DALOS
(sprich: Djördj Dalosch) wurde im Jahre 1943 in Budapest geboren. Er studierte Deutsche
Geschichte an der Universität Moskau und kehrte nach dem Abschluss des Studiums im Jahre
1967 nach Budapest zurück. Dalos war Mitglied der ungarischen KP bis 1968, als er wegen
staatsfeindlicher Aktivitäten ("Abweichlertum") Berufs- und Publikationsverbot
erhielt. Die Okkupation der Tschechoslowakei desillusionierte seinen Glauben am Marxismus
vollends, und er wurde aktives Mitglied der demokratischen Opposition. 1984 erhielt er ein
Stipendium des Berliner DAAD, und arbeitete u.a. an der Forschungsstelle Osteuropa der
Universität Bremen. Von 1987 bis 1995 lebte er abwechselnd in Wien und in Budapest, und
arbeitete für deutsche und österreichische Medien. Von September 1995 bis September 1999
war er Direktor des ungarischen Kulturinstitutes (Haus Ungarn) in Berlin, 1996-1999
Kurator des Ungarnschwerpunktes bei der Frankfurter Buchmesse 1999. Den ersten ungarischen
Literaturpreis erhielt er erst 1990, den Adalbert-von-Chamisso-Preis der Bayrischen
Akademie der Schönen Künste im Jahre 1995. In ungarischer Sprache begann er 1964 zu
publizieren, auf Deutsch erst nach seinem Berlin-Aufenthalt. Er reflektierte in seinen
Werken vom Anfang an die Situation des Einzelnen und besonders die der Schriftsteller und
Künstler im "Realen Sozialismus": so schrieb er z. B. mit beißendem Spott
Orwells 1984 in seinem Neunzehnhundertfünfundachtzig weiter. Später weitete er sein
Interesse auch auf historische Gestalten der Linken aus. So schrieb er Romane über die
ungarische Revolutionärin Ilona Duczynska oder über bekanntere, wie Anna Achmatova, Sir
Isaiah Berlin oder Boris Pasternak. Eine weitere Besonderheit der Prosa von Dalos ist die
Besinnung auf die leidvolle Vergangenheit seiner jüdischen Familie.
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Werke (Auswahl):
Mein Großvater und die Weltgeschichte (Deutsche Bearbeitung von Matthias Fienbork)
Berlin: Literarisches Colloquium, 1985; Das Archipel Gulasch (Die Entstehung der
demokratischen Opposition in Ungarn. Deutsche Bearbeitung von Elsbeth Zylla) Bremen: Donat
und Temmen, 1986; Die Beschneidung (Aus dem Ungarischen von György Dalos und Elsbeth
Zylla) Frankfurt am Main: Insel, 1990; Der Versteckspieler (Gesellschaftsroman. Aus dem
Ungarischen von György Dalos und Elsbeth Zylla) Frankfurt am Main: Insel, 1994; Der Rock
meiner Großmutter (Geschichten. Deutsche Bearbeitung von Thomas Brasch, Matthias
Fienbork, Peter-Paul Zahl und Elsbeth Zylla); Der Gast aus der Zukunft (Anna Achmatova und
Sir Isaiah Berlin. Eine Liebesgeschichte. Deutsche Bearbeitung von Elsbeth Zylla) Hamburg:
Europäische Verlagsanstalt, 1996; Olga, Pasternaks letzte Liebe (Fast ein Roman. Deutsche
Bearbeitung von Elsbeth Zylla) Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 1999; Der Gottsucher
(Roman. Aus dem Ungarischen von György Dalos und Elsbeth Zylla) Frankfurt am Main: Insel,
1999. (Text: Pál Deréky) |
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