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10.2.jpg (9188 Byte) István Eörsi

"Ein Mann in den besten Jahren sitzt nackt
in der Asche. Mit einer Scherbe schabt
er sich die eitrigen Geschwüre, die seinen
Körper bedecken. Die wahnmachende Sonne
Asiens brennt auf ihn hernieder und
versengt ihn. Noch ist er allein, doch er
schreit nicht mehr, weil ihn die Stimme
verlassen hat. Bald werden seine Freunde,
aus drei Richtungen kommend, bei ihm
eintreffen und neben ihm im Staub sitzen,
in gebotener Entfernung, damit sie seinen
Gestank ertragen können. Sieben Tage lang
mucksen sie sich nicht, der Schreck hat
ihnen die Sprache verschlagen; sie sitzen
nur da, brabbeln Gebete und horchen auf
das Knurren ihrer Mägen. Da man aber
solche Pein nicht auf Dauer mit ansehen
kann, beginnen sie, den Mann zu trösten.
Gott ist gütig und gerecht.
Er straft keine Unschuldigen."
(István Eörsi: Hiob und Heine.)


 

Der Dichter, Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer István EÖRSI (sprich: Ischtwan Örschi) wurde 1931 in Budapest geboren. Im Jahre 1953 absolvierte er die Universität Budapest als Gymnasialprofessor für Ungarisch und Englisch. Er schrieb zunächst Lobeshymnen auf das System (die er nun mit fulminantem Witz aus der Entfernung von beinahe 50 Jahren selber zu erklären pflegt), doch hörte er mit dieser Tätigkeit schlagartig auf, als er Aufnahme in den Kreis um Georg Lukács fand. Wegen seiner Teilnahme am Volksaufstand 1956 wurde er zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, er kam 1960 mit einer Amnestie frei. Da er sich nicht bereit fand, das geforderte Treuebekenntnis zu unterschreiben, blieb er bis 1967 am Rande des ungarischen Literaturlebens. Schließlich wurde er bei einer Literaturzeitschift angestellt, später (1977-1982) arbeitete er als Dramaturg des Theaters in Kaposvár. Seit 1982 ist er freiberuflicher Schriftsteller. Er lebte von 1983 bis 1986 als DAAD-Stipendiat in Berlin. Eörsi war Gründungsmitglied der demokratischen Opposition in Ungarn, und u.a. auch Redakteur der Samisdatzeitschrift Beszélo. Der führende Liberale ist seit den Siebzigern eine der wirkungsmächtigsten Gestalten des öffentlichen Lebens in Ungarn. Seine Dichtung und seine Dramen zeigen alle Anzeichen der Literatur der Groteske in Osteuropa, jedoch ohne pessimistischen Ausklang. Empfindlich für soziale Ungerechtigkeit, eingedenk der geschichtlichen Schicksalsschläge, schreibt er trotz alledem meistens mit vorsichtigem Optimismus, humorvoll, leicht lesbar. Er hat ein riesiges Oeuvre als Übersetzer. Dieser seiner Tätigkeit verdankt er die Bekanntschaft bzw. Freundschaft vieler europäischer Literaten: In Österreich war er insbesonders mit Ernst Jandl befreundet. Neben einigen bedeutenden ungarischen Literaturpreisen wurden ihm u.a. der Preis der Frankfurter Autorenstiftung (1983), der Übersetzerpreis der Republik Österreich (1988) der IBBY-Sonderpreis (1993) und der Preis der Soros-Foundation für sein Lebenswerk verliehen. Auf Ungarisch begann er 1953 zu publizieren, auf Deutsch im Anschluss an seinen Berlin-Aufenthalt.
Werke (Auswahl):
Das Opfer. Der Staatsmann und sein Schatten (Zwei Stücke. Aus dem Ungarischen von Ursula Gombrowicz (Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki) Leipzig: Kiepenheuer, 1997; Hiob und Heine. Passagiere im Niemandsland (Aus dem Ungarischen von Gregor Mayer) Klagenfurt: Wieser, 1999; Hiob proben und andere Stücke (Drei Stücke. Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki und Katharina Hill) Frankfurt am Main: Verlag der Autoren, 1999. Grützmacher-Tabori und Hans Skirecki) Klagenfurt: Wieser, 1993; Tage mit Gombrowicz (Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki) Leipzig: Kiepenheuer, 1997; Hiob und Heine. Passagiere im Niemandsland (Aus dem Ungarischen von Gregor Mayer) Klagenfurt: Wieser, 1999; Hiob proben und andere Stücke (Drei Stücke. Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki und Katharina Hill) Frankfurt am Main: Verlag der Autoren, 1999.

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